Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

{l. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik, 4 
man aber nicht annehmen,‘ denn die gesammte Nervenmasse be- 
zieht in jedem Momente ihr belebendes Princip, ihre Nahrung 
aus dem Blute, steht alse in‘ der innigsten Verbindung mit der 
Blutmasse und dem Blutsysteme, und die Vitalität desselben 
hängt von der Beschaffenheit des Blutes ab. Man nimmt 2 
Wege an, auf welchen. die Atmosphäre und der ihr beigemischte 
Seuchenstoff das Blut zum Erkranken bringen können. Erstens 
wird die Perspiration des Hautorgans durch die Atmosphäre 
beeinträchtigt, und es: werden Stoffe im Blute zurückgehalten, 
die ausgeschieden werden sollten. Diese Art der Einwirkung 
tritt ein, wenn Individuen aus heissen Zonen in kältere wan- 
dern, und umgekehrt, und man hat von ihr die Entstehung des 
gelben Fiebers herleiten wollen. Man sieht jedoch, dass hier 
der Temperaturwechsel wirksam ist. Diese-Einwirkung der At- 
mosphäre ist daher indirect, und man hat angenommen, dass 
sie bei der sporadischen Cholera Statt finde. Zweitens wirken 
die Atmosphäre und die in ihr aufgelösten schädlichen Stoffe 
direct auf den Organismus ein, indem sie bei der Respiration in 
die Lungen dringen. Gasförmige Stoffe gelangen wohl nur auf 
diesem Wege in den Organismus; eine Resorption derselben 
durch die Haut findet wohl nicht Statt. Wenn daher Luftstoffe 
nur durch die Respiration in den Organismus eindringen kön- 
nen, so müssen sie absolut zuerst auf die Blutmasse einwirken, 
indem sie zugleich mit der atmosphärischen Luft in dieselbe ge- 
langen. Indem sie dies thun, beginnt auch ihr günstiger oder 
ungünstiger Einfluss, denn sie werden dem arteriellen Blute bei- 
gemischt. Ein blosses Hindurchgehen der Seuchenstoffe oder an- 
derer Luftstoffe durch das Blut kann schon deswegen nicht sta- 
tuirt werden, weil die Verwandtschaft des Blutes zu der Luft 
und das Vermögen desselben , die Luft zoochemisch verwandelt 
aufzunehmen, zu hervorstechend ist. Ob der Nervus vagus das 
Vermögen besitze, Luft aufzunehmen, ist nicht bekannt, dass 
aber die Imponderabilien, indem sie Fluida und Solida zugleich 
durchdringen, dennoch erstere vorzugsweise ergreifen, das lehrt 
die tägliche Erfahrung und die Veränderungen, die sie in ani- 
malischen Flüssigkeiten ausserhalb des lebenden Organismus her- 
vorbringen, z. B. im Blute, in der Milch. Das Nervensystem 
ist nicht in die Atmosphäre eingetaucht, wohl aber die Blut- 
masse; nachdem dies in den Blutgefässen schon anfängt, ge- 
achieht es vollkommen im Capillargefässeysteme. Die Solida 
scheinen vermöge ihrer höhern Organisation und Vitalität weni- 
ger geeignet, von Luftstoffen afficirt zu werden, und die Che- 
mie zeigt, dass die Fluida sehr empfindlich und leicht zersetz- 
bar sind. ‘Die Ansteckungsstoffe in der Atmosphäre haben an 
und für sich schon eine grössere Verwandtschaft zu Flüssigkei- 
ten, denn eine trockene Luft ist ihrer Erzeugung, Unterhaltung 
and Verbreitung nicht förderlich. Miasmen und Contagien gelan- 
gen nicht direct zu den Nerven. Nur zwei Wege giebt es, auf
	        
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