Full text: (Bd. 1 (Jahrg. 1832) = No 1-No 8)

120 1. Pathologie, Therapie und medieinische Klinik. 
genannte cholera erethica oder con gestira, im zweiten bildet sich 
ein typhöser Zustand. Auch die während der Krankheit im Darm- 
kanale geschehenden Secretionen lassen nicht an Congestion den- 
ken, da sie einer Durchschwitzung und den Absonderungen glei- 
chen, die bei Lähmungszuständen vorkommen. Bedeukt man, 
dass der die typhösen Fieber begründende eigenthümliche Zustand 
der Blutmasse stetig tiefe Störungen in dem Leben des Gehirns, 
mächtiges Leiden der Irritabilität, grosse Veränderungen der Se- 
cretionen, stärkere Entwickelung des Turgor vitalis und die 'ei- 
genthümliche beissende Hitze der Haut zu Begleitern hat, dass 
aber die Cholerakranken während der eigentlichen Krankheit stets 
hei Bewusstseyn beharren, oft grosse Muskelkraft entwickeln, 
nie jene Veränderungen der Secretionen und immer beträchtliche 
Verminderung der Temperatur und des T, urgor vitalis zeigen: so 
muss man wohl annehmen, dass erhöhte Venosität nicht die 
Grundlage der Seuche zu nennen sey. Eben so wenig lässt sich 
eine erhöhte Arteriosität bei ihr nachweisen. Niemand wird sie 
jetzt für eine Gastroenteritis, Carditis, Myelitis oder eine Ent- 
zündung der Ganglien halten. Im Blutsysteme darf man also den 
Sitz der Cholera nicht suchen, eben so wenig im vegetativen Sy- 
steme: nimmt man aber an, dass ihr Herd in dem Nervensy- 
steme ist, so kann man eine Menge positiver Gründe für diese 
Ansicht aufführen. Zuerst bringt Zerstörung des Vagus cholera- 
ähnliche Symptome hervor, namentlich Heiserkeit, Stimmlosig- 
keit, Unthätigkeit der Lungen, Stockung, Kälte, schwarze Farbe 
des Blutes, schwache Wärmeerzeugung, Verschwinden der or- 
ganischen Turgescenz, Hemmung einzelner Absonderungen, pro- 
fuses Vonstattengehen anderer. Nach Trevirasvs u. A. stockt 
das Blut augenblicklich in Theilen, deren Nerven durchschnitten 
sind. Die grösste Aehnlichkeit mit der Cholera hat die von Scnön- 
LEIN zuerst scharf aufgefasste Ganglienapoplexie, denn auch bei 
ihr finden Krämpfe, Erbrechen und Laxiren , wobei wässerige, 
geruchlose, mit Eiweissflocken vermischte Massen abgehen, Tod- 
tenkälte der Hant, Verschwinden des Pulses und gänzlicher Ver- 
fall der Gesichtszüge und der Stimme Statt, nur sind die Abson- 
derungen der Haut, der Nieren und der Leber eben 80 häufig pro- 
fus, als sie stocken. Die mit der Cholera manche Anzlogie dar- 
bietenden Krankheiten, die Kriebelkrankheit und der Keuchhu- 
sten, sitzen offenbar im Nervensysteme. Endlich lassen sich alle 
Symptome der Cholera leicht erklären, wenn man diese für eine 
Neurose nimmt. Denkt man sich nämlich, dass bei der Cholera 
eine Lähmung im vegetativen Nervensysteme. geschehe, dass die- 
ser Lähmung ein krampfhafter Zustand, wie sehr oft bei Hirn- 
apoplexie und andern Lähmungen, besonders den rasch eintre- 
tenden, vorangehe, so erklären sich bei dem Einflusse, den die 
Gangliennerven auf das Blutleben haben, ausser den krampfi- 
gen Erscheinungen, zu welchen auch das Brechen gehört, auch 
noch leicht und vollständig die Stockung des Kreislaufes. die 
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