Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

60 Chirurgie und Ophthalmologie. 
Scrotalhltute des starken Mannes den Darm nicht durch-, son 
dern nur angestochen zu haben; durch den heftigen Reiz der 
Stichwunde wurde aber die gebundene Gontractilität des Darms 
wieder geweckt. Ein Theil der enthaltenen Luft wurde nun 
gewaltsam nach dem Bauchringe hin, und durch diesen in die 
nächste Partie der Därme ausserhalb des Bruchcanals getrie 
ben , wodurch Volunwerminderung der Bruchgeschwulst und 
Reduction erfolgen mussten. Dem Stiche folgte heftiger, je 
doch kurzer, nach dem Unterleib ziehender Schmerz, unmit 
telbar darauf Poltern im Bruche und Zurücktritt der Darm- 
schlingc ohne mechanische Nachhülfe, also auf rein dynami 
sche Weise. Der mitgetheiltc Fall scheint also zu beweisen, 
dass die Zurückbringung eines Bruchs, wenn die Einklemmung 
von einiger Bedeutung ist und schon seit mehreren Stunden 
bestand, auf mechanische Weise selten zu erlangen sei, wenn 
man nicht gleichzeitig durch Manipulationen, reizende Kly- 
stiere Minderung entzündlicher Zufälle, oder wie immer die 
gebundene Vitalität der abgeschlossenen Partie wieder frei 
machen kann. Ob aber hierzu die Nadel ausgedehntere An 
wendung verdiene, wagt der Verf. vor der Hand nicht zu be 
haupten. Doch würde er, bei gesicherter Diagnose, dass ein 
Bruch grossen Theils fixe Luft enthalte, diese mit der Nadel 
nach aussen abzuleiten, tm gegebenen Falle ohne Bedenken, wie 
erwähnt, wieder Versuchen. [i>. Gracfe’s vndv. Walther's 
Journ. d. Chirurg, und Augenheilk, Bd. XXX. Hft. 1.] 
22. Merkwürdiges Beispiel von Wiederan 
wachsung vollkommen ausgerenkter Zähne; vom 
Zahnarzte Lomnitz in Berlin. Den 21stenFebr. 1837 Nachts 
wurde der Verf. zu einem robusten Mädchen geholt, das, bei 
der Feier ihres 17ten Geburtstages, beim Tanze mit dem Munde 
gegen eine Stuhlecke gefallen war und dadurch die zwei mitt- 
lern Schneidezähne des Oberkiefers so vollständig verrenkt 
hatte, dass dieselben noch, als L. kam, in der Stube zerstreut 
lagen. Man fand die Zähne bald wieder, doch war auf den 
einen schon getreten worden. Der getretene Zahn zeigte in 
der Mitte der Wurzel ein kleines losgerissenes Zellentheil- 
chen im Umfange einer kleinen Linse; der andere Zahn da 
gegen war ganz gesund. Die Zahnzellen waren etwas er 
weitert, sonst aber das Zahnfleisch, wie überhaupt das Mäd 
chen, gesund, nur war Letzteres so aufgeregt vom Weine, dass 
sie der Verlust der Zähne nicht sehr ergriff. Hatte sich auch 
durch Gebrauch des kalten Wassers ein Coaguluin in den Al 
veolen gebildet und der linke Schneidezahn noch ein Zellen- 
tbeilcheu mit fortgerissen, so gab es doch bei der Individua
	        
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