Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

30> Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
gen die Hundsmith die äusserliche Behandlung des Wuthfalles 
nicht unbeachtet gelassen, nur hat er sie der innerlichen nach 
gesetzt, was in vielen Fallen auch Schaden bringen kann. — 
Die dritte Abthcilung der Belehrung erörtert das Verfahren 
hei der Hydrophobie in ihrer gänzlichen Entwickelung bei 
Menschen. Hier stösst man aber auf grosse Schwierigkeiten, 
wenn nicht auf Gefahrsmomente. Nach Laiie’s Angabe ist bei 
gänzlicher Entwickelung des Uebels der Kranke durch Zwangs 
mittel von Seiten zweier starker Männer unschädlich zu machen, 
was immerhin geschehen kann und auch manchmal geschehen muss; 
dann aber soll ihm, weil ein solcher Kranker das Mittel nicht 
gutwillig mehr nimmt, der festgeschlossene Mund mittelst zwei 
keilförmig zugespitzter Hölzer geöffnet und der schon erwähnte 
Enzianbrei, jedoch hier aus einer Unze bereitet, in den Mund 
gestossen werden, welchen ausgespuckt, Lalie sogleich von 
Neuem beizubringen, und nach 3 Stunden zu wiederholen an 
ordnet. Zu solchem Zwange kann aber kein Arzt rathen, weil 
gewaltsame Beibringung von Getränken und Mitteln bei einem 
in einem Wuthfalle begriffenen Menschen nicht selten die hef 
tigsten Krämpfe und selbst plötzlich den Tod herbeiführten; 
was bei der Behandlung von Lalie um so mehr geschehen 
kann, als derselbe gleichzeitig noch dem Pat. so lange die 
Nase zuhalten lässt, bis das Mittel verschluckt ist. Nach zu 
rückgekehrtem Bewusstsein des Kranken in Folge dieser ge 
waltsamen Einwirkung und hei fortdauernder Beisssucht dessel 
ben giebt Lalie demselben mit Vorsicht eine ganze Wurzel 
der Gentiana an und in den Mund, an der dann Pat. mit gros 
ser Begierde kauet und das Gekaute verschluckt, was sehr er 
wünscht sein soll. Magendic aber impfte mit dem Speichel 
eines wasserscheukranken Menschen einen Hund, und dieser 
wurde nach einem Monate toll. Dieser Hund biss 2 andere 
Hunde, die ebenfalls die Wuthkrankheit bekamen, doch wurde 
von diesen beiden keine weitere Ansteckung erreicht. Aus die 
sem Impfversuche, der von Hartwig nachgeahmt wurde und 
dieselben Resultate lieferte, geht die dritte Regeneration des 
Wuthcontagiums hervor, wenn der erste Hund, der den Men 
schen gebissen, — was weder bei Magendie, noch Hart 
wig gesagt wird, die spontane Wuth hatte. Hatte dieser erste 
Hund aber die schon mitgetheilte Wuth, so ergiebt sich aus 
diesen Versuchen schon die Möglichkeit der vierten Regenera 
tion des Wuthcontagiums, welche Bemerkung B. hier deshalb 
macht, um auf die Gefahr, der man sich bei der so eben er 
wähnten L alieschen Manipulation mit dem in einem Wuthan 
falle begriffenen Menschen aussetzen würde, indem man dabei 
leicht gebissen werden, oder sich selbst an den Zähnen des
	        
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