Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 35 
werden und die genannten Venen vom Blute strotzen. Bei die 
sen angeschwollenen Unterzungenvenen und diesen schwarzen 
Puncten, die an die Marochettischen Bläschen erinnern, öffnet 
nun Lalie diese Venen, die er so lange bluten lässt, bis das 
Bluten von selbst aufhört, und dann erst schreitet er zu seinem 
innerlichen Mittel, nämlich zur Anwendung des von der Gen 
tiana cruciata aus (> Drachmen mit Wasser bereiteten Breies, 
den der Kranke, ungeachtet der ersten Spuren des Wuthan 
falls, doch noch ohne Anstand, wie Lalie meint, nehmen 
werde, und welche Gabe demselben sofort durch 9 Tage Mor 
gens wiederholt zu reichen ist. — .B. erinnert sich, irgendwo 
schon von dieser Venäsection der Unterzungenvenen in der Wuth 
gelesen zu haben, weiss aber leider nicht mehr wo. Dagegen 
aber lässt sich nacliweisen, dass die Gentiana und namentlich 
pneumonanthe und amarcl/a (ob auch cruciata weiss B. im 
Augenblick nicht) und auch andere Species der Gentiana schon 
in den ältesten Zeiten als wuthwehrende und heilende Mittel 
gerühmt waren und sich bis auf die heutige Zeit als solche 
erhalten haben; ja dass diese Wurzel, selbst bloss unter dem 
Namen des Genus allein als wuthwehrend gilt, da alle Gentia- 
nen, in ihren Heilkräften sich fast gleich, als Volksmittel ge 
gen die Wuth im Gebrauche stehen. Nachdem Lalie diess 
innerliche oder Hauptmittel gegen die Wuth dem wuthleidenden 
Menschen beigebracht hat, geht er erst zur topischen Behand 
lung der Bisswunde über. Er lässt sie, wenn sie noch frisch 
ist, mit campherhaltigem Rosmaringeist, den er in seiner Be 
lehrung magistraliter vorschreibt, waschen und daun mit ei 
nem Pflaster, aus Roggenmehl, Wachholderbcereu und Brannt 
wein bereitet, verbinden; ist sie aber bereits geschlossen, erst 
scarificiren und dann mit Rosmaringeist waschen etc. Ob nun 
dieser Rosmaringeist und diess Pflaster, welches eigentlich ein 
Teigumschlag ist, mehr Sicherheit hinsichtlich der äussern 
Prophylaxis gewähren könne, als die Anwendung des causti- 
sclien Salmiakgeistes, des Glüheiscns, des Höllensteins, der 
Canthariden und Schröpfköpfe, dann des thnnlichen Ausschnei 
dens der Wunde und selbst Abschneidens einzelner Glieder und 
Theile etc. soll hier nicht näher betrachtet werden. So un 
vollständig und unzulänglich aber auch diese Laliesche, äus- 
serlich antihydrophobische Therapie ist, so möchte sie dennoch 
das Beste dieses vielleicht nicht wohlfeilen Arcanums sein und wenn 
sich das ganze Specificunt in Fällen der unbezweifelten Wuth 
wirklich nützlich gezeigt haben sollte, so könnte diess nur al 
lein dieser äusserlichen Behandlung und kaum dem aus der 
Gentianwnrzcl und Wasser bercitetenBreie zngeschrieben werden. 
Lalie hat daher wohlweise bei Anwendung seines Mittels gc- 
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