Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

416 Chirurgie und Ophthalmologie. 
von der Mitte des obern Wundrandes, in gerader Richtung 
nach aufwärts gegen die Pfeilnaht, ein etwas über 2Zoll lan 
ger Schnitt gemacht, die dadurch entstandenen beiden Lappen 
vom Schädel abgetrennt und dadurch ein dreieckiger Raum 
gebildet, der nicht nur den Umfang des Bruches und Eindruk- 
kes bloss legte, sondern nach aufwärts noch so viel Raum im 
gesunden Cranio.übrig liess, um eine Krone ansetzen zu kön 
nen. Nachdem das Pericranium entfernt und die Hautlappeu 
durch einen Gehiilfen zuriickgeschlagen erhalten worden, wurde 
die Trepankrone so angesetzt, dass sie mit 2 Drittheilen ih 
res Umfanges im gesunden, ungebrochenen Knochen, mit ei 
nem Drittheile aber im gebrochenen, auf dem Bruchrande' 
spielte. Nach Ausbohrung eines Kronenstücks gelang es je 
doch noch nicht, das Elevatorium ohne Zwang so tief unter 
die Fractur einzuleiten, um dieselbe in die Hohe zu bringen 
und zu entfernen, indem beide Bruchstücke fest zwischen den 
Rändern steckten; daher wurde eine zweite Krone so ange 
setzt, dass sie mit ihrem grossem Umfange im gesunden Kno 
chen, zum Theil aber auf dem Rande des gebrochenen, und 
in der bereits vorhandenen Trepanationshöhle spielte. Auf diese 
Art wurde der ganze obere Rand der Fractur so zugängig, 
dass das Elevatorium ohne Zwang eingebracht werden, nach 
allen Richtungen wirken und die Bruchstücke entfernen konnte. 
Hierbei fand es sich, dass die innere Tafel in 5 — 6 grössere 
und kleinere Splitter zerbrochen war, von denen einige so fest 
in die Dura mater eingedrückt waren, dass sie mit einer 
Scheere ausgeschnitten werden mussten. Nach Entfernung al 
ler Splitter wurden die gezackten Knochenränder mit dem 
Linsenmesser abgetragen und da sich auf der Dura mater 
weder bedeutendes Blutextravasat, noch andere Abnormität fand, 
die Kuochenöffnung mit einem mit Oel bestrichenen Bourdonnet 
bedeckt, trockne Charpie darüber gelegt und diese durch einige 
Heftpflasterstreifen an den abgeschorenen Kopf befestigt. — In 
den ersten 6 Tagen wurde der Kopf, um stärkere entzünd 
liche Reaction abzuhalten, anfangs in kürzeren, später in län 
geren Zwischenräumen mit den Schinuckerschen Fomenta- 
tionen belegt, schmale Kost verordnet, der Stuhl durch Kly- 
stiere unterhalten und die grösste Ruhe des Körpers und Ge- 
mtithes empfohlen. Am 7ten Juni Nachmittags wurde der Ver 
band erneuert. Die abgenommene Charpie war mit blutigem, 
übelriechendem Serum stark durchnässt, das in der Knochen- 
Wunde liegende Bourdonnet schwarz gefärbt und die harte 
Hirnhaut mit schwärzlicher, schmieriger Materie überzogen; 
das Allgemeinbefinden hatte sich nicht verändert. Von jetzt 
an wurde der Verband täglich ganz wie die beiden ersten Male,
	        
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