Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

34 Pathologie, Therapie und medlcinische Klinik. 
Lalie das Specificum gegen die Hundswuth bei Menschen nnd 
Thieren, nilmlich die Gentiana cruciata, der Kreuzentian, 
botanisch beschrieben, wogegen B. nichts einzuwenden hat. Die 
zweite Abtheilung giebt die Behandlung bei den ersten Spu 
ren der Krankheit. Von einem Erfinder eines Specificums ge 
gen die Hundswuth nach rationell-ärztliclien Grundsätzen dürfte 
man wohl erwarten, dass er zuerst auf die örtlichen nnd all 
gemeinen Prodromen der Krankheit, besonders auf erstere bei 
Anwendung seines neuen Mittels sehen werde, indem dieselben 
eben so wichtig sind, als sie sich bei Menschen, aber nicht 
bei Hunden, gleichzeitig deutlich äussern. Allein von diesen 
Prodromen und von einer (Jura prophylactica eartcrnn wird 
in dieser Belehrung nichts erwähnt, da doch diese dem Arzte, 
der einen Wuthanfall in Behandlung nimmt, das erste ist und 
sein muss, auch wenn es sich nicht erwiesen hätte, dass der 
Hund, der einen Menschen gebissen, wiithend, sondern nur 
wuthverdächtig war. Von Lalie aber wird der wutlikranke 
Mensch erst bei den sich schon äussernden ersten Spuren der 
Krankheit in Behandlung genommen und voraus nicht das Ge 
ringste von diesen ersten Spuren erwähnt, ja seihst nicht von 
dem einzigen, meist noch constanten, aber in mannigfaltigen 
Abstufungen der Stärke und Dauer sich äussernden und in ge 
wissen Fällen seihst ganz abwesenden, dagegen wieder auch 
bei andern Krankheiten vorkommenden Symptome, nämlich „dem 
Abscheue gegen Flüssigkeiten oder vielmehr Furcht vor dem 
Hinabschlucken derselben.“ Lalie empfiehlt vor Allem Andern 
die untere Fläche der Zunge zu untersuchen und macht auf 
die Unterzungenvenen (Vetiae raninae) aufmerksam, die man 
bei früher gesunden, kräftigen Menschen, bei den sich äus 
sernden ersten Spuren der Krankheit, neben dem Zungenbänd 
chen, nebst schwarzen, den Fliegenköpfen ähnlichen Pimcten, 
bei kränklichen Subjecten aber in ihrem ganzen Verlaufe an 
geschwollen und erweitert bemerken werde. Diese schwarzen 
Punkte sind aber nichts anders, als zwei sich auszeichnende, 
übrigens auch an der ganzen Umfläche der Mundhöhle unter 
dem Epithelium der Schleimhaut vertheilte körnige Dräschen, 
die nächst und über dem Zungenbändchen liegen, weiyt man 
die Zunge umschlägt und die jeder Mensch mit wenigen Ab 
weichungen an sich, jedoch zum Theil im gesunden Zustande 
nur röthlich gefärbt, deutlich sehen kann. Auch erscheinen die 
s. g. Froschvenen bei jedem Menschen an der nmgeschlagenen 
Zunge angeschwollen. Schlägt nun Lalie die Zunge bei Un 
tersuchung eines mit den ersten Spuren der Wuth Behafteten 
nm, so darf man sich nicht wundern, wenn jene körnigen zwei 
Dräschen am Znngenbande schwarzen Fliegenköpfen ähnlich
	        
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