Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

382 
Gynäkologie und Pädiatrik. 
Annalen f. d. ges. Heilk. Bd. II. Hft. 1.) dass die ableitende 
Behandlung, besonders durch künstlich erregte Kopfeiterun- 
gen, das fast nur allein wirksame Heilverfahren gegen dieses 
mörderische Verfahren war; denn die überraschend günstigen 
Erfolge desselben stimmten mit der Ansicht des Yerf. überein 
und errettete seitdem mehrere Kinder, die an der hitzigen Ge 
hirnwassersuchtlitten. Die Mittel mm, womit W., seit Münch- 
meyer’s Mittheilung, die hitzige Gehirnwassersucht bekämpft 
und oft glücklich heilt, sind folgende: bei der febrilen Form 
des Uebels, die übrigens am seltensten vorkommt und sich von 
der nervösen besonders dadurch unterscheidet, dass sie vom 
Anfänge an mit Fiebersymptomen begleitet ist, lässt der Verf. 
hinter jedes Ohr zwei Blutegel setzen und in den ersten bei 
den Tagen, wenn sich starke Kopfcongcstionen vorfinden, kalte 
Kopfumschläge machen, oder auch nur ein oft erneuertes kal 
tes Kohlblatt überlegen. Nach dem Satze: in magnis niorbis 
magna remedia würden hier, wo Blutentziehungen angezeigt 
sind, Einschnitte in die allgemeinen Kopfbedeckungen und 
Hervorrufung eines Eiterungsprocesses durch Einstreuen von 
rothern Präcipitat nebst warmen Umschlägen am Platze sein, 
ständen hier in der Privatpraxis nicht dieselben Hindernisse, 
wie bei den kalten Begiessungen, im Wege. Bei der nervö 
sen Form des Uebels, welche die häufigste ist, lässt W. keine 
kalten Umschlägen auf den Kopf anwenden, sondern nur nach 
Umständen und bei sehr vollsaftigen Kindern im Anfänge der 
Krankheit Blutegel setzen. Aber hier wendet er gleich — 
bei der febrilen Form in der Regel erst am zweiten Tage, 
wenn der Kranke wieder für Einwirkungen von Aussen em 
pfänglicher wird — das Hauptmittel an, nämlich dreiste Ein 
reibungen der Brechweinsteinsalbe aus zwei Theilen Fett mit 
einem Theile Tart. stib. Davon lässt W. alle 2 Stunden 
Schläfengegend, Scheitel und Nacken, nachdem vorher die 
Haare an diesen Stellen möglichst kurz abgeschnitten worden 
sind, einreiben. Hat sich darauf der pustulöse "Ausschlag 
gebildet, so müssen die Einreibungen seltener fortgesetzt 
und der Ausschlag noch einige Tage unterhalten werden. 
Je besser die Eiterung ist und wenn sie gleich, wie zuweilen 
wohl der Fall ist, ziemlich in die Tiefe geht und lange dauert, 
desto günstiger ist in der Regel der Erfolg und desto siche 
rer ist man vor Rückfällen. Diess äussere Verfahren, wobei 
dem Verf. Hippocrates Vorschrift: „den Kopf zu reinigen“ 
einfällt, ist hier höchst wichtig und bleibt bei Behandlung der 
hitzigen Gehirnwassersucht die Hauptsache. Das Misslingen 
mancher Cur mag vielmals in Unterlassung oder unzulängli 
chem Gebrauche dieses Mittels begründet sein. Bei innerer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.