Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche für practische Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

372 Chirurgie und Ophthalmologie. 
142. Amblyopin rhcumatica ; von Br. Bikr- 
baum in Dorsten. Ein äOjähriger, massig kräftiger Mann, 
der früher bereits zwei Mal an catarrhalisclien Augenentzün- 
gen gelitten hatte und oft von Krenzschmerzen und Nasenblu 
ten befallen wurde, bemerkte eines Morgens, als er aufstand, 
dass er mit dem linken Auge, an dem er noch Tags vorher 
nichts Krankhaftes beobachtet hatte, fast gar nichts sehe. Die 
äussere Umgehung beider Augen, die eine dunkelbraune Iris 
haben, zeigte nichts Abnormes. Die Pupillen waren weder er 
weitert, noch verengt, hielt man aber das gesunde Auge zu, 
so erweiterte sich sogleich die linke Pupille und bildete fast 
ein von innen und oben nach aussen und unten liegendes Oval. 
Diese Erweiterung und Formveritnderung der Pupille verlor 
sich jedoch im Augeblick, sobald das andere Auge wieder 
geöffnet wurde und beide Pupillen waren nun wieder hinsicht 
lich des Lumens und der Stellung ganz gleich, ln der Tiefe 
des erkrankten Auges sah man einen starken Nebel, oder eine 
rauchartige Masse, die einen grossen Theil der hintern Augen 
kammer ausfüllte und mehr nach dem innere Winkel zu ihren 
Sitz hatte. Ucber das Sehvermögen gab Pat. an, dass er ei 
nen feuerrothen Kranz sehe, dessen Mitte er gar nicht und 
dessen Umkreis er nur höchst undeutlich erkenne. Dieser 
Feuerkranz vermischte sich später mit bläulicher Farbe. Eine 
Uhr erkannte Pat. nur an ihren Contouren; wendete er aber 
das kranke Auge in den innern, untern Winkel, schielte er 
mithin nach innen, so wollte er die Gegenstände etwas ge 
nauer seheu können. Sonst klagte Pat. weder über Druck 
oder Brennen im linken Auge, noch Uber sonst ein lästiges 
Gefühl. Man nahin indessen am Kopfe eine etwas erhöhte 
Temperatur wahr, die aber dem Kranken um so weniger auf 
fiel, als er oft an Cougestionen nach oben litt. — Die Ur 
sache dieses Augenübels lag in Erkältung, da ein starker Re 
gen den Kranken auf einer Fussreise, von der er eben zu 
rückgekehrt war, bei ausdünstender Haut getroffen und na 
mentlich die linke Gesichtshälfte sehr durchnässt hatte. — 
Am titen Tage wurde der feuerrothe Kreis kleiner, der Nebel 
oder Rauch in der hintern Augenkammcr verminderte sich, die 
Iris war beweglicher uud die linke Pupille bildete beim Schlies- 
sen des andern Auges nicht mehr das beschriebene Oval, son 
dern blieb rund. Seitdem konnte auch Pat. deutlicher sehen, 
namentlich in die Ferne und er unterschied die Gegenstände 
wieder etwas deutlicher. Ein jetzt eintretender Fieberanfall, 
der einige Male wiederkehrte und sich durch Frösteln, Hitze, 
allgemeine reichliche Hautausdilnstnng und Anschwellung der 
Drüsen, im Nacken verrielh, wirkte wohlthätig auf das Augen
	        
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