Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

30 Pathologie, Therapie und medicinisclie Klinik. 
setze man noch Cainpher hinzu und zwar auf jedes Seidel eine 
halbe Drachme. — III.) Verfahren bei der Hydropho 
bie in ihrer gänzlichen Entwicklung. Bei der Hy 
drophobie in ihrer vollendeten Entwicklung sind die Kranken 
vor Allem durch Zwangsmittel unschädlich zu machen und dann 
beginnt die Behandlung gleich mit Darreichung des Mittels, 
welches ganz auf die früher beschriebene Art bereitet wird, 
nur mit dem Unterschiede, dass man hier 2 Loth von der Wur 
zel nimmt. Um nun das Mittel beizubringen (denn bei diesem 
Grade der Krankheit nehmen die Kranken das Mittel nicht gut 
willig) lässt man sie von 2 starken Männern halten, öfTnet mit 
telst zwei keilförmig zugeschnittenen Hölzern den fest geschlos 
senen Mund und flösst das Mittel ein, was dadurch erleichtert 
wird, dass man ihnen die Nase so lange zuhält, bjs sie es 
geschluckt haben. Sollte aus Versehen das Mittel ausgespuckt 
werden, so wird die Dosis sogleich wiederholt. Jedoch muss 
die Wiederholung der Gabe in jedem Falle nach 3 Stunden 
stattfinden. Kehrt nach dieser zweiten Gabe das Bewusstsein 
noch nicht zurück und dauert die Beisslust fort, so reicht man 
jetzt mit Vorsicht eine ganze Wurzel zum Munde, woran die 
Kranken dann mit grosser Begierde kauen, und wo cs erwünscht 
ist, wenn sie das Gekaute verschlingen. Bei solchen Kranken 
geschieht das Eröffnen der Venen erst, nachdem sie ruhiger 
geworden sind und einiges Bewusstsein wiedergekehrt ist. Nach 
Aufhören der Blutung reicht man ihnen wo möglich löffelweise 
eine Rinds- oder Einbrennsnppe. Die Behandlung der Biss 
wunde geschieht ganz auf die oben angegebene Weise. Nach 
dem die Kranken die Suppe gegessen, pflegen sie schon ohne 
Scheu das Wasser zu trinken und meist verfallen sie in einen 
sanften, 8—10 Stunden dauernden Schlaf. Sind sie so weit 
gekommen, so ist an ihrer Rettung nicht mehr zu zweifeln. 
Während des Schlafes erzeugt sich im Munde ein lichtgelber 
oder weisser, dem Eiweiss ähnlicher Schleim, welcher gewöhn 
lich zähe ist, sehr fest haftet und schwer ausgeworfen wird. 
Bei Kranken jedoch, wo es bis zu dieser Höhe der Krankheit 
nicht gekommen war, fehlt auch diese reichliche Schleimerzeu 
gung. Es ist von grosser Wichtigkeit, dass dieser Schleim 
nicht verschlungen, sondern ausgeworfen werde, wozu man die 
Patienten auf jede Weise zu bewegen suchen muss. Diese 
Schleimabsonderung bemerkt man während der ersten drei Tage 
der Krankheit, besonders immer, wenn die Kranken schlafen 
oder ruhen, und man muss auf die Herausbeförderung immer 
grosse Sorgfalt wenden, vorzüglich vor jeder Darreichung des 
Mittels. Ist dieses genommen, so reicht man in 2 Stunden 
darauf ein Frühstück, welches in Caffee oder Suppe besteht.
	        
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