Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

362 Chirurgie und Ophthalmologie. 
ventriculo-colica, oder Fistula ventriculo-hepatica im Le 
hen des Kranken. Mehrere Aerzte, denen L. den folgenden Fall 
mittheilte, hielten eine solche Diagnose nicht für möglich, L. 
giebt daher die Art an, wie er zu derselben gelangte. Im 
September 1839 wurde L. zu einem 61 jährigen Schuhmacher 
von hagerer, doch für sein Alter guter Constitution gerufen. 
Pat. war von zwei Aerzten behandelt worden, von denen der 
Eine das nach heftigem, acutem Leiden im April entstandene 
Uebel für Leberaffection, der Andere für Carcinoma ven- 
triculi hielt. Pat. klagte über eigeuthümlich schmerzhaftes 
Drücken in der Gegend, wo die linke obere Portion des Mns- 
culus rec/us abdominis au den vordem Rand der zweiten und 
dritten falchen Rippe grenzt, litt an Appetitlosigkeit, fauligem 
Aufstossen, Kollern im Leibe und erschwertem Stuhlgange. 
Die Zunge war wie im zweiten Stadium des Nervenfiebers, die 
Zahne blank, die Mundhöhle rein, der Geruch aus dem Munde 
aber fast cadaverös. Pat. genoss täglich nicht über 8 Lotli 
und brach Anfangs alle 4 bis ß Wochen, dann alle 8 Tage, 
später fast täglich. Die erbrochenen Massen betrugen oft über 
einen halben Eimer und waren bald denen beim Scinhus ven- 
triculi, bald denen beim Flu.vu$ hepa/icus ähnlich, immer 
aber von einer dünnen Schicht Galle bedeckt. Die Faeces wa 
ren regelmässig, wie beim Icterus gefärbt, bald fester, bald 
dünner, sparsam und nie Lienterie-ähnlich. Die nicht aufge 
triebene Regio mcsogastrica gab überall tympanitischeu Ton. 
Die Regio hj/pogastrica war wenig anfgetrieben und teigigt 
anzufühlen, doch an der erwähnten schmerzhaften Stelle in der 
linken Oberbauchgegend zeigte sich geringe, umschriebene 
Auftreibung, die beim Drucke nicht schmerzte und nur wenig 
Widerstand leistete, als fühle sie sich härter, wie im Nor 
malzustände an. Die Percussion gab kaum matteren Ton, 
mit den Stethoscope aber hörte man an dieser Stelle um 
schriebenes Schleiinrasselu immer, wenn Pat. aufrecht stand. 
Da die Herz- und Lungengeräusche von allen Seiten normal 
waren, führte dieses seltene Symptom zur Diagnose einer innern 
Magenfistel. — So lange L. Pat. behandelt hatte, war dieser 
fieberfrei, nur *in den letzten 14 Tagen fieberte er mässig. 
Die Abmagerung stieg aufs höchste und es trat geringe allge 
meine Wassersucht hinzu. Bisher waren Bewegung, Herzschlag, 
Puls und Respiration wenn auch schwächer, doch ganz normal. 
Die Thätigkeit der Sinne, ausser dem Geschmacke, besonders 
aber die geistigen Functionen, zeigten sich ungestört und noch 
wenige Minuten, ehe der Tod erfolgte, fragte Pat. nach der 
Zeit. — Bei der Sectiou zeigten sich fast alle Organe der 
Bauchhöhle, welche allein geöffnet wurde, normal. Der Dünn-
	        
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