Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

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Gynäkologie und Pädiatrik. 
noch jetzt, nach mehr denn 20 Jahren, gedenkt der Ver 
fasser mit W’ehmuth eines solchen Falles. Seine Hülfe wurde 
nämlich bei einer Multipara in Anspruch genommen, deren 
Geburten bis dahin durch keine Übeln Zufälle getrübt worden 
waren. Auch diessmal war sie vor kaum 2 Stunden mit einem 
gesunden Kinde niedergekommen. Die Nachgeburt aber war 
noch nicht abgegangen, und diesem Umstande schrieb man die 
eingetretene grosse Schwäche und die anhaltenden Ohnmächten 
zu. Der Yerf. fand die Frau fast im Verscheiden mit allen 
Zeichen des höchsten Blutveidustes, blassem Gesichte, gebroche 
nen Augen, eiskalten Extremitäten, fast ohne Puls und mit 
scheinbar geringem Bewusstsein. Die Nachgeburt war noch 
zurück. Blut sollte nicht viel verloren gegangen sein und 
wirklich sah man in den Unterlagen nur geringe Blutspuren, doch 
liess der sehr ausgedehnte, bis in die Herzgrube reichende Ute 
rus am Mctrorrliagia interna nicht zweifeln. l)a die noch 
zurückgebliebene Nachgeburt die alleinige Ursache des Uebels 
zu sein schien, so beschloss F. sie zu entfernen, wenn er auf 
kein bedeutendes Hinderniss stosse, und ungesäumt führte er 
seine Hand in die durch Coagula gefüllte Scheide und den schwer 
nachgiebigen Muttermund. Wäre hier die Nabelschnur früher 
abgerissen, so hätte F. schwerlich, als damals noch wenig ge 
übter Geburtshelfer, die Placenta im weiten Uterus aufgefunden, 
da in ihm sich viele Coagula fanden, die leicht für jene zu 
nehmen waren; so aber folgte er der Nabelschnur und er 
reichte den Mutterkuchen im Fundus uteri, wo er, znm gröss 
ten Theile gelöst, nur noch leicht anhing. Mit leichter Mühe 
trennte er ihn vollends und entwickelte ihn kunstgerecht aus 
den Geschlechtstlieilcu. Es war diess die erste wichtige Nach 
geburtsoperation, die dem Verf. vorkam, und er freute sich nicht 
wenig über die kunstgerechte Ausführung derselben, doch bald 
ging die Freude in Trauer über. Der Entfernung der Nach 
geburt folgte das baldige Hervorstürzen einer sehr grossen 
Menge meist geronnenen Blutes, die Frau seufzte tief auf und 
mit diesem Seufzer war sie auch verschieden. Hatte sich der 
Verf. in diesem Falle auch keine Vorwürfe zu machen, da er 
die Frau schon sterbend getroffen hatte, so konnte er sich doch 
nicht verhehlen, als er weiter über diesen Fall nachdachte, 
dass die weise Natur hier schon deu heilsamsten Weg ein- 
geschlagcn hatte. Die Höhle des Uterus war fast voll geron 
nenen Blutes und wahrscheinlich ergoss sich kein neues Blut 
mehr. Wurde dieser von der Natur gebildete Tampon nicht 
angetastet, so lag es wenigstens nicht ausser den Grenzen der 
Möglichkeit, die fast Verschiedene wieder aufleben zu sehen. 
Wie wahr sagt daher W. J. Schmitt; es sei besser, da, wo
	        
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