Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

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Gynäkologie und Pädiatrik. 
wenn sie nicht geboren haben, ist stets die Vaginalportion viel 
dicker und kürzer, als bei der reinen Jungfrau; die Mutter 
mundlippen sind abgerundet, wulstig, der Muttermund länglich 
rund, oft ziemlich weit und die vordere Wand der Vaginal 
portion verkürzt sich mehr und mehr und ist kaum einige Li 
nien lang, wenn auch die hintere Wand V 2 Zoll und darüber 
beträgt. Dieser wichtige Umstand ist auch bei dcii Hystero 
plasmen ganz übersehen worden, indem die vordere und hin 
tere Wand stets gleiche Länge haben. Wer sich gewöhnt hat, 
am Phantom die künstliche Vaginalportion rundum gleich lang 
zu fühlen, wird ganz irre, wenn er bei einer lebenden Person 
es ganz anders findet und vergeblich eine vordere Wand der 
Vaginalportion sucht. Er wird die bedeutende Verkürzung des 
Mutterhalses auf Rechnung einer Schwangerschaft schreiben, 
obgleich diese nicht zugegen ist. Diess ist nicht etwa blos 
möglich, sondern der Yerf. hat diess Alles selbst erfahren, che 
er durch Schaden klug geworden ist, und mancher College hat 
ihm dasselbe gestanden. Diesem Uebelslande kann nur dadurch 
abgeholfen werden, dass man die Natur nicht in bestimmte For 
men und Maasse einzwängt und zweckmässigere, der.Natur ganz 
entsprechende Hysteroplasmen beim Unterrichte benutzt. Die 
Maasse derVaginalportion dürfen nicht genau bestimmt, sondern 
nur allgemein und mit der Remerkung angegeben werden, dass 
im nicht schwangein Zustande ganz ähnliche Formen Vorkom 
men, wie in der ersten Hälfte der Schwangerschaft, damit man 
sich ja nicht an irgend ein Normalmaass gewöhnt, denn diess 
existirt gar nicht. Was die Anfertigung zweckmässiger, der 
Natur ganz entsprechender Hysteroplasmen anlangt, so ist es 
dem Yerf. gelungen, von natürlichen Vaginalportionen Abgüsse 
und zwar so vollständig darzustellen, dass sie den Originalen 
bis auf die kleinsten Erhabenheiten und Vertiefungen ähnlich 
sind und dem Gefühle ein sehr richtiges Bild gewähren. Es 
ist dabei genau darauf gesehen worden, dass die vordere und 
hintere Wand dieselbe Länge, wie an den natürlichen Vagi- 
nalportionen habe. Diese Abgüsse ergeben nun deutlich, dass 
es ganz unmöglich ist, Hysteroplasmen zu fertigen, die man als 
N'ormalmaasse gebrauchen könnte, denn sie sind von den aller 
verschiedensten Formen, wenn auch die Personen, denen die 
Vaginalportionen angehörten, entweder nicht schwanger waren, 
oder sich auch in einem und demselben Monate der Schwanger 
schaft befanden. Der Verf. besitzt mehrere Abgüsse von Va 
ginalportionen nicht schwangerer Frauen von 30 — 35 Jahren, 
die oft geboren hatten, bei denen man also doch ziemlich 
ähnliche Vaginalportioneu erwarten sollte. Statt dessen ist 
eine so gross wie eine halbe Eierpflaume, eine andere ist nur
	        
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