Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

204 Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 
bald epidemisch und wühlten bis in den April fort. Das Ma 
sernfieber zeigte dnrehweg den herrschenden Krankheits-Genius 
und zwar in der catarrhalischen, oder noch häufiger in der 
catarrhalisch- gastrischen Form; das rheumatische Princip trat 
nur ausnahmsweise als Complication hinzu. Im Allgemeinen 
waren die Masern sehr gutartig, besonders im Anfänge der 
Epidemie. Der Verf. beobachte nur wenig Fülle, wo das Fie 
ber a priori bösartigen nervösen Character hatte lind das 
Exanthem klein geformt, missfarbig, violett, unter nervösen 
Erscheinungen, unter Angst, Unruhe, Delirien, Umherwerfen 
des Körpers, Convnlsionen und wässrigen, polternden Durch 
füllen trüge und unregelmüssig hervorbrach und sehr bald wie 
der mit tödtlichein Erfolge zurücksank, — Zustünde, die ge 
wöhnlich der Kunst spotten und in denen von inneru Mitteln 
nicht viel zu erwarten ist, die S. aber früher einige Male durch 
Peitschen mit grünen Nesseln glücklich gehoben hat. In die 
ser Epidemie starben dem Verf. drei Kinder unter diesen Zu 
fällen, wenn auch Campher, Moschus, Opium und Ammonium 
angewendet worden waren. Nicht selten ging dem Ausbruche 
des Exanthems Eclampsie voraus. Die Zinkblumen, bei robu 
sten, vollsaftigen Kindern mit Calomel und bei Complication 
von Zahnen und Verdacht von Hirnreizung mit Blutegeln und 
Essigklystieren, bewährten sich in allen Füllen. Einige Male 
fing das Uebel mit Croup an. Beim Maserncroup indess ist 
die Reizung der Schleimhaut des Larynx und der Trachea 
immer oberflächlicher und daher weniger gefährlich. Der Vf. 
hat ihn in diesen, wie in frühem Epidemieen durch ein kräf 
tiges Brechmittel aus Tart. stibiatns oder Cvprum sulphur. 
und wenige Gaben Calomel, gewöhnlich ohne Blutegel, immer 
viel sicherer und schneller geheilt, als den gewöhnlichen Croup, 
und noch nie ist ihm ein Kind daran gestorben. Er rechnet 
ihn daher zum Pseudocroup. Bei einem 6jührigen, kräftigen 
Mädchen, das früher schon zwei Mal an Angina membrana- 
cea gelitten hatte, gingen dem Ausbruche der Masern häufige 
periodische Anfälle eines spastischen Asthraa’s voran. Das Kind 
wurde dabei plötzlich unruhig und von gewaltiger llespirations- 
notli ergriffen; es griff und riss höchst ängstlich um sich und 
warf sich nach vorn über, unter den sichtbarsten Erstickungs- 
znfälleu, krampfhaften Zuckungen aller Glieder und hohlem, 
zischendem Husten und es schien, als ob die Luftwege lest 
eingeschnürt wären und der Tod durch Erstickung unabwend 
bar sei. Die beunruhigenden Zufälle, die bald nach Zinkblu 
men und wiederholten Senfteigen schwächer und seltener wur 
den, hielten gegen 24 Stunden an, bis die Masern ausbra 
chen. Giebt es ein reines Asthma Millari, so fand es sich
	        
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