Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche für practische Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

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Psychiatrie. 
ger Masse. Der Wurmfortsatz schien äusserlich gesund, war 
aber im Innern ebenso mit ähnlicher Masse, wie das Coe- 
cum gefüllt. Der Anfang des Colons hatte gegen 3 Zoll die 
natürliche Weite, 'verengerte sich alter hierauf ganz so, wie 
der Dünndarm bis zur Curvatura prima, so dass es eben 
falls wie ein glänzender Strick erschien. Der Anfang vom 
Colon transversvvi war wieder etwas weiter, zeigte sich aber 
3 Zoll vor der Curvatura secunda ganz so verengt und um 
gewandelt, wie der Dünndarm. Der Anfang des Colon de- 
scendens war 4 Zoll erweitert, von hier ab aber sah man ab 
wechselnd zolllange Erweiterungen und Verengerungen bis zum 
Rectum. Auch das Rectum fing mit einer einige Zoll langen 
Erweiterung an, verengerte sich hierauf aber bis zum Orificio 
ani der ganzen Länge nach so, dass es äusserlich wie ein 
weisses glänzendes Band erschien und ‘im Innern noch mehr 
wie der Dünndarm verengert war. Die Gekrösdrüscn waren 
anfgetrichen, zum Tlieil auch verhärtet, doch nicht in Eiterung 
übergegangen. Die Milz war so gross, wie gewöhnlich, doch 
gleichsam in schwarzblaue, breiige Masse, die zwischen den 
Fingern zerging-, aufgelöst. Das Pancreas war sehr vergrös- 
sert und durchweg so erweicht, dass es beim Anfassen zer 
riss und auseinander floss. Nieren, Uterus, Ovarien und die 
übrigen Geschlechtstheile waren ganz gesund. Nach diesem 
Befunde leuchtet ein, dass sich die Leiden, mit denen Pat. so 
viele Jahre kämpfen musste, nur sehr allmählich ansbilden 
konnten und es ist auch mehr als wahrscheinlich, dass die Lei 
den des Geistes allein Folge der des Körpers waren. Dass 
Pat. aber bei so ausserordentlicher Entartung des ganzen 
Tractus intestinorum und bei der carcinomatösen Leber, die 
gewiss Jahrelang schon keine Galle mehr abgesondert hatte, 
noch so lange leben konnte, ist wohl sehr merkwürdig. Die 
6, 8 — 10 tägige Stnhlverbaltung, das öftere erfolglose Gehen 
zum Abtritte, die Aeusserung der Kranken, dass, wenn ja ein 
wenig Stuhlausleerung, die nur durch Trastica hervorgerufen 
werden konnte, erfolgte, es ihr vorkomme, als gehe ein Todter 
zu Stuhle, das brennende Gefühl in der Lebergegend und 
rechten Unterleibshälfte und viele andere Klagen über innere 
physische Leiden, lassen sich durch diesen Sectionsbericht hin 
reichend erklären. [i\ Graefe'su.v. Walther'& Journ. 
f. Chirurg, u. Augenheilk. Bd. XXX. Heft 1.] 
Redacteur : Vr. Ii. II. Kneschke. — Verleger: Otto Wigand. 
Gedruckt bei W. Plötz in Halte.
	        

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