Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

182 Gynäkologie und Pädiatrik. 
den musste. Doch konnte der Verf. ziemlich gewiss nach 
sorgfältigem Gebrauche des Zeige- und Mittelfingers, die 
leicht das Promontorium erreichten und mit denen er bisher 
oft sicherer als mit dem Deckendurchmesser manövrirt hat, das 
Maass der Conjugata auf 2 */ 2 — 2 3 / 4 Zoll bestimmen und spä 
tere Ausmessung mit dem Stein’schen Deckenmesser bestä 
tigte die Richtigkeit dieser Annahme. Auch erhielten zwei 
Collegen des Verf. durch ihre Untersuchung genau dasselbe Re 
sultat in Deiug auf die Deckenweite. Der gänzliche Mangel 
aller Gerätschaften, selbst der eines Tisches, auf dem der 
Kaiserschnitt hätte Yorgenommen werden können, liess es wün 
schen, die Kreissende schnell in das Eubindnngsiustitut brin 
gen zu lassen, denn die Anzeige zum Kaiserschnitte war beim 
offenbaren Leben des Kindes noch zugegen, derselbe aber in 
der Wohnung der Kreissenden, wie schon erwähnt, durchaus 
unausführbar. Jede Wehe hatte sie bis jetzt, der strengen 
Anweisung zu Folge, unverarbeitet vorübergehen lassen, und 
es war auch das Weiterschreiten der Fussgeburt noch keines 
wegs wahrzunehmen. Um die Aufnahme.in das genannte In 
stitut zu befördern, liess der Verf. die Kreissende unter Ob 
hut seiner Collegen und wirkte selbst diese Aufnahme aus. 
Dei seiner Rückkehr hatte indess der benarbte Uterus seine 
Thätigkeit mehr entfaltet, als man erwarten konnte, er hatte 
das Kind bis zu den Schultern ausgetrieben und den einen 
Collegen genöthigt, die Arme zu lösen. An einen Transport 
war jetzt nicht mehr zu denken, auch war der Kaiserschnitt 
erübrigt, denn das Kind war schon, ehe der Rumpf bis zu 
den Achseln geboren war, schlaff geworden, hatte das WJeco- 
nium entleert und Herz und erkaltete Nabelschnur pulsirten 
nicht mehr. Man musste nun'zur Extraction schreiten, die 
aber, wie sicli von dem wohlgebildeten, nicht kleinen Kinde 
füglich erwarten liess, vor der Hand misslang. Mit Mühe 
hätte vielleicht jetzt der Kopf, der noch über dem Decken 
hing, mit einer langen Levret’schen Zange gefasst werden 
können, doch der Verf. zog es mit seinen Collegen vor, die 
Kreissende nicht bis zum letzten Augenblicke mit angreifenden 
wenn auch vielleicht erfolgreichen Tractionen zu ermüden; es fan 
den sich Gründe genug, die Kreissende so schnell und schonend 
als möglich zu entbinden. Die Zange hätte jedenfalls die 
Contractioueu des ohnehin thätigeu Uterus verstärkt und ver 
mehrt, man durfte den Uterus mit seiner Narbe nur so 
schwach als möglich arbeiten lassen und dann brauchte man 
gegen das todte Kind nicht so sorgsam zu verfahren, wie ge 
gen ein lebendes es pflichtgemäss gewesen wäre. Wer wünscht 
nun aber wohl nicht auch, Entbindungen nie zu erleben, in
	        
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