Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

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Gynäkologie und Pädiatvik. 
sein müsste, da dev Uterus nicht so ausgedehnt war, wie er 
in spätern Monaten ist. Auch der Sitz der Placenta beweisst, 
dass sie sich nicht in der Gebiirmutterhöhle gebildet habe, al 
so musste auch das Ei wenigstens vor ihrer Entstehung nicht 
mehr in der Gebiirmutterhöhle sicli befunden haben. Ein sol 
cher Riss des Uterus in den ersten Monaten entsteht wohl nur 
bei Graviilitas inlerstitialis. Schon das Gesagte ergieht, dass 
man es hier mit einer solchen regelwidrigen Schwangerschaft 
zu thun hat. Den vollen Beweis lieferte aber 1) die Beschaf 
fenheit der rechten fallopisclien Röhre, die an ihrer Oeffnung 
in die Gebärmutterhöhle verschlossen war, aber mit diesem 
verschlossenen Ende gerade zur Grube in der Substanz des 
Gebärmuttergruudes führte; 2) vorzüglich aber diese Grube 
selbst. Schon im Sectionsberichte hiess es, dass man fast glau 
ben möchte, es wäre Ruptur des Uterus vorhanden gewesen. 
Bei Graviditas abdominalis würde man diese Veränderung 
am Grunde des Uterus nicht bemerkt haben, auch konnte sie 
hier nicht durch Ansitzen der Placenta entstanden sein, indem 
dieses gewiss keine solche Zerstörung oder Veränderung in 
der Substanz des Uterus erzeugt hätte. Eben so konnte ge 
waltsame Lostrenmuig des Mutterkuchens solche Zerreissung 
der Gebärmuttersubstanz nicht bewirken, da 'dann diese Grube 
gewiss nicht diese gleichmässige Form gehabt hätte, die man 
fand, um so mehr, als das Bauchfell, das die Gebärmutter 
überzieht, ringsherum, am Rande dieser Grube fest sass und 
gleichmässig vordere und hintere Wand und im Zusammenhän 
ge den ganzen Körper des Uterus überzog. Koch ein grösse 
rer Beweis ist der Sitz der Placenta an der äussern Fläche 
des Bauchfells, also an der Fläche, die atl der Wand des Ute 
rus allgewachsen ist. 'Wäre es Graviditas abdominalis ge 
wesen und hätte sich die Placenta am Grunde des Uterus fest 
gesetzt, so müsste der Sitz derselben an der inuern, nämlich 
an derjenigen Fläche des Bauchfells sein, die frei und nicht 
mit dem Uterus verwachsen ist. Diess wäre wohl aucli der 
Fall gewesen, wenn das Ei in den ersten Monaten Tlurch ei 
nen Riss aus der Gebärmutterhöhle in die Uuterlcibshühlc ge 
fallenwäre und sich nun erst der Mutterkuchen gebildet hätte. — 
Der Verf. erklärt sich den vorliegenden Fall ganz einfach so: 
das befruchtete Ei kam aus dem rechten Eicrstockc durch die 
rechte Mutterröhre bis zur inuern Ocffnung derselben, die 
aber verschlossen war, weswegen dasselbe in der Substanz der 
Gebärmutter liegen blieb. Es erfolgte nun Ausdehnung der 
selben und vermuthlicli allmählige Zerreissung, so zwar, dass 
der Uebcrzug des Bauchfells am Grunde des Uterus nicht zer 
riss, sondern sich vielmehr sackförmig ausdehnte und das ganze 
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