Full text: (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

8 Pathologie, Therapie nnd mcdiciuische Klinik. 
sterte Gemiith zu heben glauben, aber den so schon schwäch 
lichen Körper noch mehr abspannen. Nächstdem gehört hier 
her die Kinderpflege bei Weibern, welche die von schwerer 
Arbeit ohnehin Ermüdeten oft ganze Nächte opfern heisst, und 
doch sind diese Weiber, ihrer Armuth ungeachtet, im Durch 
schnitte mit Kindern mehr gesegnet. Auch erzeugt Schmerz 
über -verlornen früheren Wohlstand und Leidsehen an andern 
Glücklicheren nebst fortwährendem Kummer und oft gegründe 
ten Gewissensvorwürfen Verdauungsstörungen, die Galle wird 
dichter, die Leber schwillt an, der Kreislauf des Blutes wird 
unordentlich und so ist der Keim gelegt zu Unferleibsverhär- 
tungen, die H. besonders bei vom früheren Wohlstände .herab 
gekommenen, nicht bei ursprünglich Armen beobachtete. Im 
Herbste, selbst im W r inter bei anhaltend trockener Kälte, sind 
die Armen viel gesünder, sowie in der anhaltend grossen Hitze 
weniger Erkrankungen unter ihnen Vorkommen; ein Beweis, 
dass der gleiche Stand der Temperatur dem Leben angemes 
sener ist, als der beständige Wechsel im Frühjahre und im be 
ginnenden Winter. Die ersten Regungen der Natur im Früh 
jahre müssen alle Menschen mit ihrem Körper erfahren, um 
wie viel mehr die Armen, die, um zu leben, bei Anstrengung 
ihrer körperlichen Kräfte zu jeder Zeit der freien Luft sich 
aussetzen; daher bringt das Frühjahr so viele lungenkranke 
Arme und zeitigt bei ihnen Congestionen, Fieber, Entzündun 
gen, Schlagflüsse u. s. w. Selbst die Feiertage und die an den 
selben flüssig werdenden Gaben Wohlhabender veranlassen oft 
Erkrankungen. Die Armen sind nämlich nur an grobe Kost, 
als Getränk meist nur an Most oder Branntwein gewiesen, und 
müssen sich selbst in diesen organischen Functionen anstren 
gen, wie z. B. durch erhöhte Muscularthätigkeit des Magens und 
Darmkanals, um die starke Nahrung zu verarbeiten. Wird 
ihnen nun in der Gabe eines Wohlhabenden plötzlich bessere 
Kost, oder gar edleres Getränk zu Theil, so müssen nothwen- 
dig gewaltige Reactionen dagegen erfolgen und so Fieber, Ent 
zündungen , Gastricismen u. s. w. entstehen. Der Magen kann 
wirklich gezogen werden, nnd besonders bei ihm darf die Ge 
wohnheit selten ungestraft überschritten werden. Die häufig 
sten acuten Krankheiten der Armen sind: Rippenfellentzündung, 
Halsentzündung, Kolik, Blutfluss, Durchfall und Katarrh in 
allen seinen Abstufungen; unter den chronischen Krankheiten: 
Wurmbeschwerden, Lungen- und Wassersucht, Scropheln, Gicht 
und Lähmungen. Am allerhäufigsten aber trifft man bei den 
Armen Rippenfellentzündung und ihr zunächst Kolik, die oft 
sehr hartnäckig ist, sogar epidemisch auftritt, und dann liegt 
ihr Gicht znm Grunde. Der Verf. beobachtete sie 1833 in
	        
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