Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche für practische Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 16 = 1841, No 1-No 8)

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Anatomie und Physiologie. 
Tagen krank sei und deshalb in die Heimath reisen wolle. 
Der Körper war übrigens sehr abgemagert, der Puls sehr 
schwach, der Zahl der Schlüge nach zwar normal, doch bis 
weilen intermittirend. Der Wunsch des Verfs., den Kranken 
sofort zur Stadt in gehörige Pflege zu bringen, konnte erst 
Abends erfüllt werden. Bald nachher verschied Patient. Die 
Leiche ging schnell in Verwesung über, weshalb L. schon nach 
20 Stunden die Section vornahm. Die Geschwulst an der lin 
ken Halsseite, die bis ans linke Auge ging, war nun sehr ge 
fallen. Die sie bedeckende Haut war sehr zilhe und liess sich 
nur durch starken Druck auf das scharfe Messer durchschnei- 
den. Nachdem aus der gespaltenen, enorm vergrösserten Drüse 
ein Esslöffel stinkenden Eiters geflossen, ergab sich, dass die 
selbe auf der Oberflilche durch Eiterung ganz zerstört war und 
hier einen Eiterheerd bildete, der übrige Theil dagegen, von 
sich durchkreuzenden Fistelgüngen ganz unterminirt, gewisser- 
massen einem mit Eiter gefüllten Schwamme glich, da durch 
Druck auf die Driise und durch Sondiren der vielen Günge 
mit Blut vermischter Eiter aus der ziemlich fest zusammenhän 
genden Masse quoll. Vorsichtige Verfolgung dieser Gänge 
führte in mehrere Aeste der Vena facialis posteriot, die, 
gleich den Fistelgängen, Eiter enthielt. Von hier aus hatte 
sich der Eiter in die Vena jugularis interna ergossen und 
konnte daselbst, durch die ganze Länge dieser Vene bis zur 
Vereinigung mit der Vena subclavia sinistra, deutlich in Ge 
stalt eines röthlich gelben Stranges verfolgt werden. Anorna- 
lieen der Häute dieser Vene, die auf Phlebitis schliessen liessen, 
waren nicht aufzufinden. Im übrigen Theile der Vena jugu 
laris sinistra fand sich zwar dunkleres und aufgelöstes Blut, 
doch nicht von der Intensität, wie das in der Vena jugularis, 
der Vena cava und dem rechten Herzen enthaltene. Im rech 
ten Herzen sah man noch ein polypöses Concrement. Mund 
höhle und Bachen waren mit klebrigem, zähem Schleime gefüllt. 
Der Eiter, der sich hier in der Gesichts- und Drosselvene ganz 
deutlich vorfand, hatte offenbar aus der durch Suppuration 
zerstörten Parotis den Ursprung genommen. Da nun nach den 
berühmtesten Anatomen die lymphatischen Gefässe mit den Ve 
nen hier nicht anastomosiren (die Behauptungen von Lippi, 
Rossi u. A., dass die einsaugenden Gefässe mit den grossen 
Veneustämmen überall in Verbindung stehen, sind längst von 
Fohmann, lludolphi u. A. widerlegt), die Venen der Pa 
rolis aber sich in die Vena facialis posterior ergiessen, die 
hier unmittelbar in die Vena jugularis interna mündete, diese 
Venen aber gerade mit dem Eiter der in Suppuration überge 
gangenen Parotis angefüllt waren, so muss man annehmeu,
	        
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