Full text: Zur Geschichte der Kieler Universitäts-Bibliothek

schichte, Theologie und neuere Sprachen. Nach einem vierjährigen Aufenthalt in Jena bereiste er 
einen grossen Theil Deutschlands, besuchte Sti-assburg, unterrichtete hier zwei junge Studirende, 
übte sich im Predigen und machte eine längere Reise in Frankreich, er ward am 7. Sept. 1738 zum 
Professor der Physik und Metaphysik in Kiel mit 200 Rthlr. und zum Bibliothekar mit 100 Rthlr. Gehalt’ 
ernannt,, aber 1763 mit 200 Rthlr. Pension entlassen. Seine literarischen Kenntnisse, sein Eifer, seine 
Thätigkeit für die Bibliothek können nach den vorliegenden Acten, meiner Meinung nach, nicht 
bezweifelt werden.*) Aus seinem Nachlass erschien Kiel 1766: Bibliotheca seu notitia librorurn ' 
rariorum P. 1, die nur A—C. befasst. Nach dem Gagenreglement von 1746 sollte das Bibliothekariat 
ohne besonderes Salair abwechselnd einer Professur, nach der Reihe der Facultäten, annectirt sein, 
Wenn auch bald darnach bestimmt wurde, dass diess nur für die Zukunft gelten solle und Hennings 
noch Bibliothekar blieb oder bleiben musste, weil er nicht entlassen wurde, so ward ihm doch nach 
seinen Beschwerden vom Decbr. 1753 und Juli 1750 das Bibliothekargelialt von 100 Rthlr. von 
1740 an entzogen. Hennings erinnerte, da damals das Pecuniaire der Bibliothek noch nicht der 
Quästur, die erst 1770 angeordnet wurde, übertragen war, seine Collegen an die bei ihrem Antritt, 
und bei Promotionen an die Bibliothek zu zahlenden Summen, drang auf Rücklieferung an die von 
Professor Dreyer und Anderen geliehenen Bücher 5 er kam hierdurch in Uneinigkeit mit seinen 
Collegen, die auf Rechnungsablage selbst der Jahre, worüber quitirt war, gegen ihn drangen. Diese 
Umstände mögen seine Entlassung bewirkt haben. Er hatte sich 1746 und später vergebens be 
müht, es möge eine feste jährliche Einnahme für die Bibliothek ausgesetzt werden. Erst 1770 
wurden 100 Rthlr. jährlich für die Bibliothek bewilligt. Auch das Verhältniss Hennings zu Geh. 
Westphalen, dem Hennings bei der Herausgabe der Monumente behülflich war, und der, bis er 
1750 arretirt ward, und nach seiner Freisprechung im Jahre 1756 Curutor der Universität war, scheint 
kein freundliches gewesen zu sein. Die Bibliothekzimmer in dem alten akademischen Gebäude 
waren undicht, der Regen drang ein, und Hennings bemühte sich vergebens; erst 1768 ward das 
neue akademische Gebäude, welches auch für die Bibliothek bestimmt war, vollendet. Die Bücher 
waren, wie schon Seite 61 bemerkt wurde, längere Zeit in einem gemietheten Local. Der Platz 
des alten Gebäudes ward 1771 verkanft und der Stadtjurisdiction übergeben. 
Nach Henning s Abgang nahten bessere Zeiten. Der um unsere Universität und die Ge 
schichte der Herzogthiimer so verdiente, unermüdlich thätige W. E. Christiani, seit 1761 ausserordent 
licher Professor des Naturrechts und der Politik, ward 1763 zuin ordentlichen Professor und Biblio 
thekar ernannt, 1771 der bisherige Universitäts-Syndicus Samuel Wilh. Arpe zum Unterbibliothe 
kar. Christiani ward 1766, als der bekannte Philolog Ernesti dem schon angenommenen Ruf nach 
Kiel nicht folgte, auch Professor der Beredsamkeit und Poesie. 
Die Regierung hat darnach mit grosser Freigebigkeit die festen Einkünfte der Bibliothek 
erhöht und mehrmal bei gegebener Veranlassung, wie z. B. dem Verkauf der Hensler’scheD Bücher, 
ausserordentliche Summen bewilligt und der Büchersammlung einen grösseren Raum im Schlosse 
gegeben, der freilich jetzt unzureichend ist, wie überall, was für die frühere Zeit auereichte, dem 
jetzigen Stande der Literatur wohl nicht mehr entsprechen kann. Christiani, und nach ihm B. Kordes, 
haben sich um die Kieler Bibliothek sehr verdient gemacht. Wäre der letztere weniger kränklich 
und reizbar gewesen, wäre sein stiller, unermiideter Fleiss auf angemessene Weise zum Abschlüssen 
der begonnenen Arbeiten geleitet worden, so wäre für seine Nachfolger die Arbeit des Catalogisirens 
u. s. w. viel leichter gewesen. 
Ich will der Zeit, die dem Bau des neuen Universitätsgebäudes im Jahre 1768 folgte, nicht 
weiter vorgreifen. Es nahte, sagte ich, eine bessere Zeit. Im Jahre 1765 konnte wegen des Ver 
falls der Universität das erste Jubiläum dieser Stiftung von 1665 nicht gefeiert werden, es fehlte an 
einem Universitätsgebäude, mehrere Lehrstühle waren unbesetzt. Es wurden bald nach 1768 frische 
’) Vergl. Katjen: Dreyer und Westphalen S. 14, 38, 42.
	        
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