Full text: (12. Jahrgang)

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Menfchen, Käufer und Verkäufer bunt durcheinander. Hier 
{pielt man, dort liegen alle mögliden Sachen ausgebreitet, die 
Schufter arbeiten vor ihrem Haus, ebenfo der Soldjhmied, 
Klempner und Korbflechter; die Straße ijft ihnen alles, Werk: 
jtatt, Zaden, Wechjelbank, Ruhe- und Sportplag. Wenn Ihr 
das mal mit anfehen fönntet! Und doch bin ih der Ueber: 
zeugung, daß Ihr, wie ich, froh fein werdet, al diefem LQärn: 
und Trubel den Rücken zufehren zu Fönnen. . 
DochH da {teht ja unfer Silzug {tilk, die Leute find fort, 
zwei Meine Knaben hüten das Gefährt. Fragen fonnte ich 
nicht, das Sprechen war nun auS, denn hier Üt ja alles 
Telugu und ich fpreche nur Obiya. Alfo galt’3, nur Seduld 
zu haben, und fchließlich kamen auch die Ochfentreiber zurück, 
fie hatten ja effen müffen. LQintz von der Straße {ah ich noch 
einen Haufen Menfchen verfammelt, zwei Lehrer bringen 
ihnen das Wort des Cbangeliums, wobei fie ihnen bibli{che 
Bilder zeigen. Doch bald lafıen wir allez Leben und Treiben 
zurück und e3 geht ins freie Land; die Stille tat wohl nach dem 
Yärm der Stadt. Die Sonne ging grade unter und der Abend- 
Himmel leuchtete in allen Harben der Tropen, kein Maler kann 
einen Jolchen Anblick darftellen. Bald war die Sonne ver. 
fOmunden und der Mare Sternenhimmel Leuchtete in großer 
Pracht. In der Nähe heulen die Schakale, das pakte {Olecht 
zu der Stimmung. Semwaltige Scharen fliegender Füchfe eilen 
raufchend in die Managohaine. Ruhig und {til wacdelt unfer 
Gefährt dahin. Ich ftimmte ein Lied an und war fo froh. 
Der Weg war gut, Jo konnte ich fogar ein wenig Ichlafen, doch 
nicht lange; durch Rufen und Schreien wurde ich gewect, hätte 
ic nur ein Wort verftehen fönnen. Vor ung lag ein Fluß, 
natürlich ohne Brücke, Die Seute fürchten fich, hindurch- 
zugehen, da in der Regenzeit die Slüffe fehr anfhwellen. E83 
fojtete viel Mühe, die Ochfen Hineinzutreiben, aber mitten im 
Sluß bleiben fie jtehen und find nicht mehr von der Stelle zu 
bewegen. Da — ein großes Sefchrei, Hauen, Stofen, Schie- 
ben und wieder geht’8 ein fleines Stücd vorwärts. Das wie- 
Derholt fich, bis wir TOließlich doch durch find. 
NochH einmal mußten wir raften, und noch eine weitere 
Nacht dauerte die Reife. Der Weg war vom Regen auf- 
geweicht und daher recht TOlecht, fo daß man tücHtig bin und 
Her geworfen wurde. Bald ging’3 bergan, bald in einen ftei- 
len Abgrund hinunter. Endlich find wir in der Ebene von 
S$unipur, Doch noch einmal wurde ung Halt aeboten, mie-
	        
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