Full text: (12. Jahrgang)

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Wir {hauen noch einmal auf den Fluß zurück, trog der frühen 
Stunde herrfht dort fhon buntes, malerijches Leben. Im 
Sluß wird nach KXräften gebadet, ein rechtes „Familienbad“. 
Die Männer haben ihr Lendentuch umbehalten, ihre braunen 
Oberkörper find frei, Das lange Haar ift aufgelöft; der alatt- 
rafierte Borderkopf fpiegelt ordentlich. Die Frauen haben ihr 
leid umgewunden und fcheuern nach Kräften Aıme und 
Beine. Am Ufer pugen fie mit Sand die Mefjfinggefäße blig- 
blanf, ehe fie in ihrem najfen Gemand den Topf, mit dem 
Tagesbedarf an Waffer gefüllt, arazisis auf dem Kopf nach 
Haufe tragen. Mandde Männer figen am Ufer und pugen mit 
Stäben und unter unfäglihH qurgelnden Tönen ihre Zähne, 
Zunge und Gaumen. Die Brahmanen fingen in melodijchem 
Zonfall ihre Morgengefänge im Waffer und nun, da Die 
Zonne einporfeuchtet, fprengen die Leute ihr Wafjfer entgegen 
und verbeugen fich anbetend vor ihr oder ftarren fie an bis 
ihre Augen finfter werden. Nun gehen wir auf der Haupt- 
itraße meiter. Die Häufer zu beiden Seiten find mit Stroh 
gedeckt, aus Lehm gebaut; jedes fteht für fich, jedes hat feine 
feine fümmerliche Veranda, die ale Tage mit Kuhdünger be- 
itrichen wird. Hin und her liegen noch Schläfer, mie Mumien 
in idr Zuch gehüllt, an der Erde, auf der Veranda, hin und 
Her ftehen auch fchon die leichten Bettitellen, melde nacht3 be- 
nugt morden find, auf der Hohen Kante vor den Züren, damit 
die Sonne die Wanzen aus denfelben vertreibe. Durch die 
Dücher {fteigt der Rauch. Recht3 liegt daZz „Fort“. Seine Be- 
jeftiqgung Dbefteht aus hohen Erdwällen, welche z. X. mit 
Bäumen und Sträuchern beiwachfen, 3. X. eingefallen find, 
Yan fagt, die Alten hätten die Erde zu diejen Wällen mit 
Kohzucker gemifcht, fonft mären fie auch nicht fo ftarf gemwor- 
den. Neber den Wall hinweaq auckt das zweiftöcige HAaUsS Des 
KRajahsz. €3 hat ein flaches Dach, weldhes mit einer Baluftrade 
umgeben ijft. Wenn e5 frifh geweißt ijt, etwa zum Dipaval- 
feit, (haut e8 mit feinen Säulen und Bögen aber nicht [Olecht 
aus. Linfz {teht der Tempel des Jaggernaih und vor dem 
Tor ein Gögenivagen auf vier majfiven, zwei Meter hohen 
Rädern und weiterhin der Tempel des Hanuman, des Affen: 
aottes. Aber vor ihm, wo Hinkz die Brahmanenftraße ab- 
bieat, liegt unfjre Xirche und unfre Mädchenfchule und ein 
Katecdhetenhaus, und auf dem Zurm der Kirche fhimmert Durch 
daz Laub des alten Herenbaume3 das Kreuz hindurch. Wie 
die Erinnerunaen auf mich bereinitürmen an den Erwerb Des
	        
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