Full text: (12. Jahrgang)

Der. erste Brief unsers jünasten Missionars. 
An Bord des „Prinz Ludwig“ den 19. Nov. 1912. 
Heute {ft Sonntag, der erfte Sonntag an Bord. Neapel 
liegt weit hinter uns, in rafcher Fahrt nähern wir uns Port 
Zatd. 
Bisher verlief die Fahrt fehHr aut. Wenn das fo fort 
geht, wird e3 eine rechte BVergnügungsfahrt werden. Der 
Wind weht nur wenig, das Schiff beivegt fih kaum von der 
einen zur andern Seite. 
Erft Sonntagmittag fuhr ih von Haufe und‘ abends 
von Othmarfhen ab. Am Montagabend traf ih in Bafel 
ein, wo gerade eine AbfoOhiedZfeier für hHinausreifende Mij- 
fionsgefchwifter jtattfand, an der ih teilnehmen durfte. Durch 
den Senior des Seminarz wurde mir daS ganze Haus ge- 
zeigt und viel Intereffante3 aus der Arbeit erzählt. Am 
nächften Tage fuhr ich biz Luzern, wo ih biz Mittwoch mich 
aufbielt. Sn der mir zur Verfügung ftehenden Zeit machte id 
eine Fahrt über den See und beftieg den Rigi bis zur Schnec- 
grenze. Was ich an jenem Tage und auch an den folgenden 
auf der Bahn nach Genua von der. Alpentwvelt gefehen habe, 
hat meine höchfte Bewunderung erregt. €3 hat alle meine 
bisherigen Vorftelungen meit übertroffen. In Chiaffo 
mwühlte man meinen feinen Handkoffer derart durch, daß die 
Sachen nur mit Mühe mieder hineingingen. Am Donners- 
tag, bormittags 10 Uhr, ging ich an Bord, wo mich zunächit 
die mir zugewiefene Kabine überrafchte. E€3 find nur zwei 
Betten in derfelben, an Raum fehlt es nicht. IH muß Die- 
felbe mit einem Schweizer (Züricher) teilen. Nicht nur die 
Kabine, fondern auch fonft ift ale3 aufs Beite eingerichtet. 
Higher find wir ja erft ein Paar Tage auf dem Wafjfer. Unter 
den Klängen der Schiffatkapelle fuhren wir aus dem Hafen 
von Genua hinauz und an der Küjte entlang Neapel zu, das 
ivir mittag3 erreichten. Kaum war daz Schiff in dem Hafen 
eingelaufen, da fOoffen auch fhon die Boote in aroßer Zahl 
daher und umkreiften unjer Schiff biz Ipät am Abend. Allen 
voran kam ein Boot, deren Infaffen, Knaben im Alter von 
8—15 Sahren in fOmubigen Kleidern am Boden Hockten, 
Mber das nur einen Auagenblid. Kaum haben fie Das Schiff
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.