Full text: (12. Jahrgang)

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überhaupt nicht3 ganz geblieben fein, wie ich durch meinen 
Kollegen, Bruder Kuhlmann, erfuhr. 
Outjo, den 15 Mai 1906. 
Kurz nach unferer Hochzeit wurde der „berühmte afrikani- 
iche Odhfenwagen“ für fajt 2, Jahr unfjıe Wohnung. alt 
1000 km haben wir in demfelben zurücdgelegt. Manche Pläge 
mußten befucht werden, um Weißen und Harbigen mit Got- 
tes Work zu dienen. Nach diefen Neijen konnten wir unZ im 
Auguft vergangenen Jahres hier in Outio niederlaffen. VBor- 
läufig fonnten wir nur zwei gemietete Zimmer bewohnen 
und mußten uns in diefen Räumlichkeiten recht einfchränfen, 
draußen kochen uf. Aber mit Beginn der Regenzeit Lonnten 
wir eine geräumige Wohnung beziehen, die wir noch jeßt inne 
haben, Freilich muß unfre Miffion eine ungeheure Miete be- 
zahlen: monatlich 95 Mt, ganz den hiefigen reifen ent{pre- 
end. Man kann nicht fagen, daß wir grade {Hhön mohnen., 
Doch haben wir Räumlichkeiten genug. Für 18 000 Mi. fönn- 
ten wir daS recht unpraktijdhe und abfolut nicht {hön gebaute 
Haus kaufen, Aber daran denken wir natürlich nicht. Wir 
würden viel billiger und fhöner ein ganz neues HauZ auf- 
richten fönnen. Dazu hat unfre Gefellfchaft fich aber noch nicht 
entfchloffen, weil e3 noch nicht ficher ift, ob Outjo eine Zu- 
funft hat. Dies wird fich wohl nach Hertigjtelung der Otadi- 
bahn zeigen. Leßtere wird etwa 60 km Öftlich von Dutjo vor- 
beigehen. „Nach dem Aufftand bahnen fi überhaupt ganz an- 
dere Berhältniffe im Lande un. . Alte Stationen werden wohl 
gänzlich aufgegeben werden müffen und dafür an anderen 
Stellen neu entftehen, Künftig wird jeder junge Bru- 
der beide Landesiprachen fi aneignen müffen, die 
Nama- und GHererofprache, (Erftere wird von den 
Kama, Berg-Damra und Bufchleuten gefprochen, leb- 
tere dagegen nur von den Herero. Gemeinden, in denen nur 
ein Stamm vertreten ift, wird es fünftig mobhl faum noch geben. 
Auch daz hat der Aufitand im Gefolge, daß die verfchiedenen 
Stämme jeßt wirklidh „mie Kraut und Rüben“ durcheinander- 
geivorfen werden, oder fjchon find, fo daß Die ECrlernung 
einer Sprache für uns jegt nicht mehr genügt, Sa die He: 
rerofprache wird Wohl noch bedeutend gegen die Namafprache 
zurücktreten; denn die Bergdamra find ein aufftrebendes, le- 
bensfräftige3 Volt. 
Auch ich bin jegt an der Erlernung der NMamafvrache. Mie
	        
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