Full text: (10. Jahrgang)

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Vizagabatam, und mein Vater wurde Koch bei Privatleuten. 
MI3 folcher fam er, mein Bruder und ich mit ihm nach Salur 
zu Mifjfionar Pohl. Meine Mutter mar inzwifchen geftor- 
ben. Ih habe gar feine Erinnerung an fie. In Salur be- 
fuchten wir die Miffionsfhule, aber fhon nach einigen Mo- 
naten zog mein Vater mit uns zurüd nach Vizagapatam, 
Dort ftarb mein Vater nach kırzer Zeit und mein Bruder 
und ih kamen zu meinem Onfel, einem firammen Heiden 
in Wort und Wandel. Mit dem Befuch der MiffionsfoONule 
war e8 fofort aus, Dafür befamen wir Stüde auZz den 
Shaftras auf zum Augswendiglernen. DazZ mar eine fOhivere 
Mrbeit, denn wir verftanden auch kein Wort davon und viel 
Freundlichkeit erfuhren wir auch nicht grade, im Gegenteil, 
e3 gab recht oft ganz empfindliche Schläge und die allergehort- 
jamften Jungenz mögen wir auch fhon nicht gewefjfen fein. 
Xch erinnere nur wie bitter mir jeder Tag war. Einmal war 
ih unterwegs, wohin? ich wußte e3 felbjt nicht, nut fort aus 
meine3 Onkelz Haus. Bald kam der Hunger und die Ein- 
jamfeit und meine ganze Hilflofigkeit. Ich manderte trauri- 
gen Herzen3 nad Salur und ging zu Mifjionar Pohl in der. 
Hoffnung, er folle mich aufnehmen. Er und Mifjfionar Both- 
mann taten’3 auch, aber fie fOhrieben an meinen Onkel in VBi- 
zagapatam und erbaten Ddeffen CSinwikligung. Nach einigen 
Tagen erfchien mein Bruder, um mich zu Holen. IH wollte 
nicht gehen. Der Mifjfionar tröftete mich, wenn ih. Zefu Ci- 
gentum fein wolle, würde er mich zurücführen auch ohne daß 
ich meinem Onfel den fhHuldigen Sehorfjam vermweigere. Mit 
Tränen in den Augen und großer Furcht im Herzen 300g ich 
mit. Mehremale Iniff ich untermeg3 meinem Bruder aus, 
Jodaß der feine liebe Not mit mir Hatte. Welchen Empfang 
wir in Vizagapatam fanden, brauche ich nicht zu befOreiben. 
Xch bin gewiß, die Miffionare in Salur beteten in aller 
Treue für mich. Mein Bruder und ih mollten den Gögen 
nicht dienen, und e3 gab oft aroßen Krach im Haufe, bis 
mein Onfel ung eine Tages erklärte, wir jollten gchen wo- 
hin wir könnten. So ließen wir fein Haus Hinter uns. 
Mein Bruder mandie fih nach KRajahmundry und trat bei 
Herın Dr. Schmidt in feine Miffionszinduftriefchule alZ Zijch- 
ferlehrling ein und {ft dann bald geftorben, ich Hoffe felig in 
dem HErrn, den er fennen gelernt. IH felbjit z0g jubelnD 
nach Salhur! Dort waren fie aber nicht jo fehr bereit, mich 
jubelnd aufzunehmen. Sie f{tießen mich auch diesmal nicht
	        
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