Full text: (10. Jahrgang)

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deutfchen Kirchtürme gefehen habt, werdet lächeln, — Man- 
he3Z gewöhnlidhe Wohnhaus in Altona ift Höher alZ unfer 
girchturcm. 
Doch e3 ift nicht viel Zeit zum Bemwundern. Für unjeren 
Sreund ailt e8 ja einen Rock zu kaufen. Mit aller Kraft 
fchiebt und drängt er fih fchon unter die Menge, die auf des 
Herın Vorfteherz Veranda {teht um Zeug aus den Weih- 
nachtäfijten zu kaufen. Aber Frau Zimmeke kann nicht auf 
einmal alle befriedigen. Erft nach einigen Stunden geduldi- 
gen Wartenz fommt die Reihe an Ramazondro, und in Der 
Tat gelinat e3 ihm, einen j{hönen bunten Kock für fein ge- 
ringe Bargeld zu erftehen. Mit dem erftandenen Schhmucde 
angetan, jtolziert er nun beglückt auf dem Mijfionsgrundftück 
umbher. Aber das fOÖnfte fommt noch. Am Nachmittage vor 
dem Heiligen Abend ijt Kinderbefherung; da werden die in 
den WMeihHnachtskijten angefommenen Spielfachen verfchentt 
an die Kinder, die nach ihren Dörfern geordnet, von Der 
Frontfeite in das Haus hinein ziehen, um hinten mit ihren 
Schägen wieder herauz zu fommen. KRamazondro hat fich 
eine Mundharmonika auZgewählt, mit welchem Wunderdinge 
er nun bald Iuftig in das allgemeine Konzert, daS jebt an- 
hebt, einftimmt. € ift Kagenmufikf und für ung nicht3 weni- 
ger als angenehm. Aber dennoch freuen wir unZ Darüber, 
menn wir die leuchtenden Augen der Kinder fehen, da macht 
man die Ohren zu. x 
Sa, denkt Ihr, wenn wir gewußt Hätten, wie leicht ein 
jolche3 Kinderherz zu beglücken ijft, dann Hätten wir früher 
auch mehr getan, um foldhe Weihnachtsbefcherung zu verfchö- 
nern. 
Nun wird eS endlich dunkel und auf einmal beginnen 
die ichönen Mangvollen Koraputer Sloden zu läuten. Weit- 
hin Iaffen fie ihre mächtige Stimme über das Land erfOhal- 
fen und verfünden dag Loblied der Engel: „EChre fjei Sott 
in der Höhe, Friede auf Erden und den Menfchen ein Wohl- 
gefallen.“ 
Der Lärm der Befchenkten verftummt, andächHtig laufcht 
mancher auf den Ton der SGloden. Auch unfer Freund {haut 
verwundert auf den hohen Zurm, von dem die Zöne kom- 
men. Daz ift doch eimwmas. anderes al3Z der jänımerlich Ma- 
gende Ton der Gögenglocden in feinem Dorf! AWoer er foll 
noch Wunderbarere3 jehen. Die Scharen, die auS dem gan- 
zen Dijftrikt, zum großen Teil aus weiter Ferne, zujammen-
	        
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