Full text: (10. Jahrgang)

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zu Befuch, 15 Mann, die blieben auch zur Nacht: Wer hat 
Quft uns eine gleiche freudige Neberrafhung‘ zu machen ? 
Herzlih wilfommen! 
Breklunm. 
Nobhl. 
Die Kotapader Mädchenaustaltsküche. 
Heute bittet ung unfere Schweiter Mathilde in Kotapad, 
mit ihr einen Befuch in der Küche ihrer MäbhchHenanftalt zu ma- 
chen. Wir gehen gerne mit. Sie {chreibt: ; 
Cine indifche Kochfüche it in keiner Weife auch mit der 
geiöhnlichften deutfchen Küche zu vergleichen, aber wie jede 
heutfche Hausfrau und jedez ordentliche deutjhe Mädchen auf 
ihre nette Küche ftolz find, fo ft e3 auch unfjere Küchenvor- 
jteberin, unjer Xoftmädchen Lea. Befonders wenn am Sonn- 
abend alle Handie3Z blank gefheuert (dDidbauchige Wafferkrüge 
mit enger Deffnung), und der ganze Kaum mitjamt der Zür 
mit roter Lehmerde beftrichen, zum Trodnen Ddafteht, ftrahit 
Zeca über daZ ganze SGeficht. Am Sonnabendnachmittag kochen 
die Kinder gern, um die Küche zu fhonen, draußen im Hof un- 
ter freiem Himmel auf Steinen, die fie zufammenlegen. 
BZuerft ein Wort über Lea. Sie ft ein Bothramädchen, 
jtammt alfo aus einer bevorzugten KXafte; ihre Mutter ift in 
ihrem Kindesalter geftorben. Sie hat zwar noch ihren 
Vater und einen Bruder; aber Leider find. fie alle drei nicht 
ganz normal. Der Vater, unfer früherer Gärtner, bildet fich 
ein, zwei Gemeindeältejte und einen Engel fortwährend Ira- 
gen zu müffen, deshalb kann er feine Lafjft tragen, und auch 
feine ordentliche Arbeit tun. Lea ijt aber für gewöhnlich ganz 
ordentlich, nur wenn fie gereizt wird, fann fie wie wirr fein, 
fonit tut fie ihre Arbeit fo treu, wie ich bis jeßt noch keine in 
der Arbeit gehabt habe; Sie i{t auch fhon 18 Jahre alt und 
recht vernünftig, fie wirtfOaftet in ihrer Küche von morgens 
bis abends, Tag aus, Tag ein. Die Küche ift ein 18 Iuß 
langer und 12 Fuß breiter Raum. An der hinteren Wand {ft 
it der ganzen Breite ein zwei Fuß hoher, fünf Fuß breiter of: 
fener LehHm-Kochherd gebaut. Wie fieht der denn aus? Denft 
erch eine Zehmbank. Auf der Oberfeite find drei oder vier 
t. isrunde, tiefe Einfchnitte gemacht, mit einem handbreiten 
stanal nach der Außenwand zu. In diefe SinfOHnitte wird 
Zeuer gelegt. Die Kanäle find dazu da, daß immer Holz 
nachaefchoben werden kann, denn wir heizen ja nur mit Holz.
	        
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