Full text: (10. Jahrgang)

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ing Xojthaus genommen, der einen unglaublich ausgeprägten 
Sigenfinn hat. Er war im Anfang nicht zu bewegen, für et- 
wa3 erhaltenes „danke!“ zu fagen, er gab Brot oder Milch 
lieber zurüc, alz daß er „Salam“ fagte. Seine DySjenterie, 
mit der man ihn brachte, fehrte immer wieder. „Ihr gebt 
ihm gewiß Erbfjen, Pfeffer, Salz, Mangoz und folde Dinge, 
die er nicht ejfen darf,“ fagte ich eines Tages zur alten Eli- 
jabeth, die beim Kochen hilft. „Ja,“ antwortete fie, „er will 
immer effen und wenn ich es ihm nicht gebe, wirft er mir ei- 
nen Teller vor die Füße, zieht fein Zeug aus, wirft fih nie- 
der und fOhreit bis er’3 befommt!“ „Aber dann beftrafft du 
ihn doch tüchtig?“ Da lächelte fie und fagte ganz weich: 
„Aber wie kann ih doch fo ein Heine Kind [Olagen, das habe 
ich nie getan!“ „Darum find auch deine Kinder migraten.“ 
„Na, daZ mag wahr fein, aber was foll ih machen, IOhlagen 
fanın ich nicht!“ „Dann bring’ ihn doch zu mir, wenn er un- 
artig ijt!“ Da erhellte fih das SGeficht der Alten. „SIa, wenn 
ich ihm fage, ih bringe dih zur Sahebani, dann fürchtet er 
lich und gehorcht. Wir find hier den Kindern wirklich {0 oft 
ein Schreckgefpenft, fo weit fie ung nicht fon kennen.“ 
Wenn Mütter mit ihren Kindern nichts aufftellen fönnen, 
heißt e8: „Der Saheb {Oneidet dir die Ohren ab!“ oder; 
„Die Sahebani wird ih fhlagen!“ Das find ganz Tandläu- 
fige Redensarten geworden. Wie mancher Vater brinat jei- 
nen großen, ungeratenen Sohn und fagt: „Srziehe du ihn, 
er will mir nicht gehorchen. id kann nicht3 mit ihm anfangen!“ 
Aber dann i{t’3 in den meiften Fällen zu [pät! 
Kon Kinderunjchuld kann man hier kaum reden. Wer 
überhaupt nicht in einem Heidenland jahrelang lebt, der kann 
jich feinen Begriff von dem tiefen YWbarund der Sünde ma- 
den, der fich hier vor einem auftut. Schon Heine KXrabaten 
fönnen mit einer Standhaftigkfeit fügen, die wir nicht für 
möglich halten und größere find bei aller Dummheit {0 {oO Lau 
und gerieben wie’3 überhaupt angängig {ft 
Ehraefühl und Schamgefühl find unbelannte Begriffe, 
aber wenn ing feine Herz nur Keime der Sünde und der Yosz- 
heit gepflanzt merden, wo follen dann die guten Triebe der 
Wahrheit und der Reinheit herkommen? E32 ift kein Wunder, 
daß Kinder, die von Mein auf hier im Mijfionstojfthaus erz0- 
gen merden, nicht mehr unter färmenden und fhimpfenden 
Heiden zu leben vermögen! Wir verfuchen nach beften KXräf- 
ten fie zur Wahrheit zu erziehen und diefen fchlimmiten ihrer
	        
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