Full text: (10. Jahrgang)

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nämlich in der Kegel in der nach der Straße zu befindlichen 
Veranda der Lehrermohnung. Sobald ihr in eine Strafe 
fommt, fönnt ihr fon von ferne merfen, vb in Dderfelben 
eine Schule ijt. Denn weithin fchallt der große Lärm Der 
(ernenden Kinder, da alle Schulinaben zu gleicher Zeit ihre 
meift ganz verfchiedenen Lernitücke mit lauter Stimme aus- 
mendiq lernen. Ie lauter ein Junge fchreien kann, für um 
jo füger wird er gehalten. Betreten wir die Schule. Da 
jinden wir oftmalz den Lehrer im SGejpräch mit einigen fei- 
ner Freunde. Und wodurch {ft er von andern Leuten zu un- 
terfcheiden? Durch nicht3Z alz einen tüchtigen Rohrftock, den 
er entweder in der Hand hält oder an feiner Seite liegen hat. 
Das ift dazZ einzige Zeichen feiner Würde, und e3 ijt jehr be- 
zeichnend dafür, waZ man befonder3 von ihm erwartet, und 
womit er fichH hauptfächlich befchäftigt. Der größte Teil fei- 
ner Lehrtätgkeit befteht darin, feine Schüler zu prügeln. 
Sit’3 zu vermundern, daß ein Tamulenknabe meijt vor fei- 
nem Lehrer zittert? Und nur der Lehrer wird für fähig 
zum Unterricht gehalten, vor dem fich die Schüler recht fürch- 
ten. „Se mehr Prügel, defto beffer für die Knaben“, heiß1’S 
im tamulifchen Sprichwort. 
Nun feht euchH einmal in der Schulhalle um: da findet 
ihr weder Bänke, noch Tijche, noch Stühle. Denn Lehrer fo- 
wohl wie Schüler figen mit untergefchlagenen Beinen auf 
dem Boden. Auch befigen die Schüler nur felten Iafein und 
Bücher. Denn die Abc-Schüßen lernen die Buchftaben mit 
dem Zeigefinger im Sande jOHreiben, und die Schulbücher 
werden auZ langen Streifen der Palmyrablätter gemacht, 
auf welche die Lektionen mit einem fpibigen eifernen Griffel 
gefdOhrieben werden. Diejfe Blätter werden fämtlich an einer 
Seite mit einem Loch verfehen, durch mwmeldhe3z man einen 
Bindfaden zieht und fo die Blätter zujammenhält. Die 
naben haben alz Kleidung nichtz alz ein Stüdchen weißes 
Beug, welches um den Leib gebunden wird, dochH fehen fie 
ganz ordentlich aus, denn ihr müßt bedenken, daß ihre braune 
Narbe fie ganz gut HMeidet. Und kalt {ft e3 ja nicht in Indien. 
Doch fürchte iO, daß euch der Lehrer nicht befonderS gefallen 
wird, welcher halbnadend dajigt und feinen wohlgenährien 
Leib gefällig zur Schau ftellt. 
Bei reichen Leuten wird die Einführung eines KAnaben 
in die Schule mit aroßem Pomp gefeiert. Sie laden hierzu 
alle ibre Freunde ein und lajffen den Lehrer mit feinem neuen
	        
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