Full text: (10. Jahrgang)

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joll. Diefelbe befteht auz Pfeffer, Ingwer, Muskatnuß, Sall- 
nuß, Gemwmürznelfen, Betelfaft und ähnlidhen Dingen. 
Auf den Anzug der Kleinen wird wenig Sorgfalt ver- 
wendet. Sin Stücdchen baummwmollenes Zeug hält man für 
HinreihHenden Schuß gegen Srfältung. Auch wenn die KXin- 
der Iaufen gelernt haben, läßt man fie oft bis zum 5. oder 
6. Jahr noch ganz ohne Kleidung herumgehen, und bejonder3 
in den Dörfern könnt ihr allezeit die Kinder nadend auf der 
Straße fhielen jehen. Freilich befigt wohl jede3 nicht ganz 
arme Sind daheim im KXafjten ein Feierfleid. Wber daZ wird 
zben nur bei fejtlidhen Selegenheiten angezogen. 
Später folat eine Handlung, welche mit viel Geräufch vor 
fich geht. Dies ijft das Durchitechen der OhrläpphHen des Kin- 
des. Laute Mufik tönt aus dem Haufe. Eine Menge Ver- 
ivandie und Freunde find von allen Seiten Herbeigefommen. 
Der BrahHmane, d. h. Priefter, verrichtet einige heilige Hand- 
hungen, morauf ein Oheim des Kindes dasfjelbe auf feinen 
Schoß nimmt. Unter vielem Gefchrei und Weinen des Kin- 
des werden demfelben nun von dem BrahHmanen beide Ohr- 
läppchen mit einem Stück Golddraht durchbohrt. Um das 
Weinen des Kindes, welcheS natürlich arvke Schmerzen lei- 
det, zu erfticen, müffen die Mujikanten fo viel Lärm al8 mög- 
lich machen, Danach wird daz Kind reichlihH von feinen VBer- 
mandten mit Zuckermerk, Schmuck, {hHönen Kleidern und Geld 
Defchentkt. Während daS Kind heranwächft, werden nicht nur 
die Löcher im Ohre immer arößer gemacht, fondern man fügt 
auch (befonders bei Mädchen) nochH neue hinzu. „Manchmal 
iyerden die Löcher fo weit gedehnt, daß die Ohrläppchen die 
Schultern berühren. DazZ Hängt damit zufammen, daß die 
Tamulen e3 fjehr lieben, ihre Kinder mit Schmuck zu 
behängen, obwohl fie au3z Erfahrung wiffen, daß diez 
jehr gefährlich ijt, Man hört von vielen Fällen, in welchen 
Kinder um ihres‘ Sdhmuce3 willen graufam einzelner Glieder 
DDder gar des Leben3Z beraubt morden find. So wurde vor ei- 
nigen Jahren ein fehSjähriger Knabe im Maduradijtrikt von 
Dieben in den Wald gelockt. Diefelben raubten des Kindes 
goldene Spangen an den Armen, feine filbernen Fußjpangen 
und die goldenen Ohrringe und fHließlich — damit da3Z Kind 
fie nicht herausfinden und angeben fönne, — nahmen fie ihın 
au) das Augenlicht und füllten ihm den Mund mit Lehm. 
Auch wenn des Kindes Haupthaar zum erftenmal gefcho- 
ren wird, geht eS nicht vhne Feierlidhkeit ab. An einem alück-
	        
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