Full text: (10. Jahrgang)

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verrichten. Die Arbeiter fingen auf dem Felde, der Kuhhirt 
fingt beim Hüten feiner Herde, jelbjt der Bettler heifcht fin- 
genb feine Almofen vor der Haustür. Und fo wird auch jedes 
Ereignis im Leben der Heinen Kinder befungen: wie e3 in 
der Wiege liegt, wie es im Schoße der Mutter fibt, wie e3 mit 
den Händchen winkt oder diejelben zujammenflägt, mie e3 
mit den Füßen ftrampelt, kurz nicht3 entgeht der zärtlichen 
Mutter, daß e3 nicht befungen mürde. Wenn dazZ Kind der 
Mutter auf dem Schoße fibt, wird folgendes Verschen gefun- 
gen: 
Si mein goldnes8 Zäubhen {hHön, — Darfit nicht zu Goldichmied8 Haufe 
gehn, — Sr hält für Gold dich, füßes Kind, — Legt dihH auf feine Wage 
gefchmwind. — Gi fieH mal an! — So fagt er dann, — Das ift ja lauter 
gutes Gold — Und trägt hinweg mein Kindchen hold. 
Cine fehr wichtige Begebenheit in einem Teluguhaufe ijt 
die Namengebung. Zu diefer Keierlichkeit befragen die Eltern 
gewöhnlich einen Sterndeuter, welcher vorgibt, des Kindes 
Zukunft aus dem Tage feiner Geburt und au3 dem Sterne 
oder Sternzeichen, unter welchem e3 geboren ift, vorausfagen 
zu fönnen, Derjelbe gibt ihnen auf, einen Namen zu wählen, 
der mit einem beftimmten Buchitaben des Alphabetiz beginnt. 
Nachdem nun. die Eltern verfchiedene {older Namen ausfin- 
dig gemacht haben, begeben fie fich an einem alücdverheißen- 
den Tage mit dem Meinen Kinde zum Sößgentempel und opfern 
den Gögen in demfelben Kokusnüffe, Plantanen, Betel und 
Scld. Hierauf legen fie vor der Tür des Tempelz drei Blıt- 
men nieder, welche die von ihnen gewählten Namen vorftellen. 
und laffen durch einz der mitgefommenen Kinder eine derfel- 
ben auswählen. Der Name nun, weldhen die erwählte Blır- 
me vorftellte, wird dem Kinde fOließlih gegeben. Mermere 
Leute machen c3 fich leichter. Sie bringen da3 Kind nicht 
zum Gößentempel, fjondern beten ihren Hausgögen an und 
bringen ihm Meine Opferaaben dar. Während Hierauf eine 
ältere Berfon etwas Waffer über dazZ Kind {prenat, mird dem 
Kinde der Name gegeben. Die Namen der tamulifchen Kin- 
der find meift die ihrer Götter und Göttinnen, von denen viele 
greuliche Nebeltaten erzählt merden, die fie auf Erden aus- 
geübt haben follen. So werden 3. B. KAnaben vielfach mit 
folgenden Namen benannt: „Ramajami (d. bh. Rama-SGoti), 
Ponufami (SGoldaott), Rettianafami (Cdelfteingott). Die 
Mädnchen heißen vielleicht . onnammal (Soldfrau), oder 
Saundiramalli (die Schöne), Ahnandai (Freudenmutter) uf.
	        
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