Full text: (10. Jahrgang)

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Lande geht, wird euch „Der Meine Sammler“ heut von ihnen 
erzählen. 
Die Geburt eines Kindez und ganz befonder3 des erften 
indes kann für tamulifjche ESitern ebenfo gut die Urfache 
großer Freude als auch großer Traurigkeit fein. Daz3Z hängt 
ganz von dem age der Geburt ab, oder noch beffer gefagt, 
bon dem Stern, unter welchem ein Kind geboren wird. Wenn 
ein Anabe am Freitag geboren wird, {jo halten die armen 
Heiden dies für ein ganz befondereS Unglück, weil fie meinen, 
daß des Kindes Vater bald jterben müffe. 
Und wenn ein Knabe an irgend einem Tage im April 
geboren wird, jo fürchtet man, daß irgend ein große3 Unglück 
über die Familie hereinbrecdhen wird. 
Wenn daszZ erjte Kind ein Mädchen ijt, fo freuen fich 
manche Eltern. Denn diez wird für ein Zeidhen Lommenden 
Wohljtandes gehalten. Im allgemeinen freut man fih aber 
über die Geburt eines Mädchens bei weitem nicht fo wie über 
die eines Knaben. Wenn einer fünf Töchter hat, wird er zum 
SGegenftand allgemeinen Mitleids. Denn „auch ein König 
wird zum Bettler, wenn er fünf Töchter hat.“ Durch alle 
diefe abergläubifchen Vorurteile werden gar viele in ihrer 
Torheit verleitet, in ihrer Liebe zu den Kindern partetifch zu 
fein. 
Nach der Seburt folgt das fogenannte Wiegenfeit, und 
zimar meift am fedhzehnten Tage. Hierzu werden die nächften 
Verwandten eingeladen und eine der älteren Frauen wird ge= 
heiten, das Kind zum erfienmal in die Wiege zu legen. Hierzu 
erhält dazZz KindchHen feine erften Spangen an Händen und 
Hüßen. Die Wiege, in weldhe das Kind gelegt wird, {ft fehr 
einfach. Sin Seil wird an einem Dachbalfen befeftiat (die 
Häufer find ja in Indien fehr niedrig, jo daß man von der 
Wodhnftube aus meift unmittelbar daZz Dach über fich fehen 
fan) und daran wird ein etwa zwei Meter langes Stück Zeug 
mit beiden Enden gebunden. In die Falte des Tuches wird 
das sind gelegt und hin und her gefchwungen, wozu man 
hübjche Liedchen fingt. Freilich der Inhalt der Lieder ift oft 
gar nicht f{chön. Denn neben dem Lob dez KindchHensS enthal- 
ten fie oft auch) den Lobpreis der hHeidnifhen Gößen. Die 
Tamulen find ein mufifalifches Volk, die alles, wazZ fie tun, 
mit Gefjfang verfüßen. Die Kinder lernen fingend ihre Lef- 
onen und fingen, wenn fie {pielen. Die Frauen fingen, wenn 
fie den Reis im Mörfer ftoßen und fonitige jhmwmere Arbeit
	        
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