Full text: (10. Jahrgang)

— 115 — 
ten natürlig nur Augen und Ohren für den Korb, welcher 
auf der Bank neben mir ftand. AlZS wir nah Haufe kamen, 
mar die Veranda gleidh voll von Frauen. Daz arme Meine 
Wurm mußte e8 fi gefallen laffen, von allen angeftarrtt und 
bedauert zu merden. Nicht weniger al3 daZ Kind murde der 
Korb und die Kiffen befühlt und begqutachtet. Damit hatten 
mir aber nach ihrer Meinung des Guten zu viel getan, wie 
fönnten wir unfer Kind fo betten, nie hieß e3, würden fie e8 
fo fhön hinlegen, in der Weife leide e3 ja keine Not. Ohne 
Mutter, dazu in Indien, diefer Jammer, dies Elend für Heine 
Kinder geht allen zu Herzen, deshalb dies Mitleid. 
Der Bater fagte, als er mittags ging: „Du brauchft nach 
Nuagan nur ein Meines Wort zu fchicken, denn e3 wird ja doch 
jterben.“ So fcdhied der traurige Vater von feinem KXinde, fein 
einzigjtes. „Wenn ich nicht jhreibe, tomme Sonntag, dann {ol 
eS getauft merden,“ fagte ich ihm noch, um eine leife Hoffnung 
in ihm zu meden. 
Wie wenig Hoffnung der Vater gehabt hatte, jahH ich aus 
des Lehrers Worten, welcher am Sonntag den Vater bealei- 
tete. Diefer erzählte, als fie in.Kotapad hHineingingen, hätte 
der Vater feufzend gefagt: „CS3 wird doch nicht lebendig fein.“ 
AS der Vater nun vor dem Korb feines Kindes ftand, {ah 
er fein Xind mit einem Blik an, den ich nie vergeffen werde, 
[9 dankbar, von. Freude und Liebe. An dem Zage, alfo am 
erften Pfingfttag, murde Mein Liefelotte ein Kind Gottes. 
Möchte fie nun wachfjen! Ia fie ift fhon arößer geworden, aber 
nicht fo groß wie fie auf dem Bild ausfieht; Hauptfache i{t’3 
aber, Daß fie in den HESrrn Hineinwächit, um fpäter Ihm in 
Seiner Gemeinde zu dienen. Darum wollt ihr, liebe Kinder, 
mit ung unfern himmlijchen Vater bitten. Später, wenn fie 
(aufen fann, will id Such weiter von der Meinen Liefelotte er- 
zählen, dann werdet ihr auch diefe Meine braune Schwefter 
lieb gewinnen. 
Mit herzliddem Sruß Cure Schweiter Mathilde. 
NacdhfehHrift an Schweiter Mathilde: Wir haben fie jebt 
{hon lieb, liebe Schweiter Mathilde, und bitten ung recht 
bafd mehr von ihr zu erzählen und nicht erft, wenn fie laufen 
fann. Die Heroldlefjerinnen, 
zz
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.