Full text: (10. Jahrgang)

Br. 8. 
Behnter Jahrgang. KRuguk 1910. 
Der SMigstonsherold, 
zin monatlich erscheinendes Missionsblatt für jung und alt. 
Inhalt: Unfer jüngfte2 Kofttind. — Unfere Malafdhule in Salur. — 
Das „Bater Unfer“ in drei indijchen Sprachen, — Bon Genua 
nach Korayut. — MBrieikaiten. 
Unser jüngstes Kostkind. 
Liebe Keine Freunde! 
. SGeute jollt Ihr mal unfjern Meinen Liebling jehen, an 
dem wir alle unfere Freude haben. Daß e3 ein mutterlojes 
Kind ijt, werdet Ihr gleich denken, aber fofjort lefe ich auf 
uren SGefichtern die Frage: „WeZhalb ift denn die Kleine 
nicht bei dem Vater geblieben? Oder hat fie auch keinen Va- 
ter?“ Sa, fie hat einen Vater, aber der ift fehr arm; und wenn 
er auch Geld hätte und eine Frau zur Pflege des Kleinen hal- 
ten fönnte, fo mürde doch fein Kind {hwerlich am Leben blei- 
ben, da diefe Menfhen mit der Ziegenmilch, die fie viel- 
leicht im Dorf haben können, nie fjauber find, und die Kleine 
mürde dann nur fortwährend den Magenkranfheiten aus- 
gefeßt fein. Yın könnte der Vater eS vielleicht einer Frau 
in Pflege geben, deren Meines Kind geftorben ijt, aber des 
Aberglaubenz halber nehmen Mütter fehr [OHmer ein frem- 
dez Kind an, da allgemein geglaubt wird, daß dann ihre 
eigenen Kinder fterben werden. In folcher Not kam der 
arme Vater zu uns. Seine junge Frau war 5 Zage nach der 
Seburt des TöchterleinZ geftorben. 5 Tage hatte eine VBer- 
wandte eS genährt, aber die konnte nicht neben ihrem eigenen 
Rind dies fremde Kind ernähren. Was follten wir tun? 
Noch nie Habe ich ein fo winziges, Meines Ding gefehen. 3 
bar nicht arößer als eine mittlere Puppe und jah viel mehr 
zum Sterben, al3 zum Leben aus. Doch da Schwefter Oity 
mir zu helfen große Freudigkeit hatte, nahmen wir das Kleine 
in Gottes Namen auf. Ihr hättet e3 mal jehen follen, dies 
Heine ElendShäuflein, wie e3 am Sonntagmorgen, rein ange- 
zogen und mit fondenfierter Milch gefättigt, in einem feinen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.