Full text: (7. Jahrgang)

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Der, [Hhüttelte fidh abwedhjelnd die Pfoten, wälzte fi im Sand, 
jchrie und jammerte, daß eS mid erbarmte, und ich ihn gehörig 
einfeifte und badete, — Unterdes ward unjer Pflegling immer 
größer und lebendiger, verfuchte fi im Springen, im Greifen 
und im DBeißen, machte Spaziergänge 1um8 Haus, mobei er 
Schw. SClijabeth in der Apotheke zumeift einen Befucdh madte, 
befadH mit Hüjternen Bliden den Hlüthnerijtalkl und entwickelte 
Tich allımahlich zu einem richtigen Tigerfind, fo daß mein Mann, 
au defjen Reititiefeln er mit Borkiche feine Zähne verfuchte, 
jedesmal mit etwas Sorge in den Dijtrikt ritt und der Sache 
ein ihlechtes Ende verhieß. Ich hatte am meiften Sorge um 
die Kinder, die ihn, feiner Outmittigkeit wegen, zu dreijt WuT- 
den und ihn oft neckten! — Aber denen hat er nichts zu leide 
getan. Den Anlaß zu feinem Zode gab ein ZäubchHen, das, als 
er feine Mittagsruhe unterm Herd hielt, ihm zu nahe kam. 
Ein Sprung, und es war zwifdhen den Krallen des Leoparden 
und fiel ihm nach wenigen Minuten zum Dpfer. Diefe Tat, 
und die darin bewiejene Blutgier, Fojtete ihın fein Leben, 
Viein Mann hat ihn am nächiten Morgen erfdhoffen, und ich 
willigte ein, obwohl mit etwas jhwerem Herzen. Meine Be- 
nühungen, ihn an eine Michnagerie zu geben, blieben Leider 
erfolglos, dazu wohnen wir hier zu jehr von der großen Heer- 
itraße entfernt. 
Wiit diejem tragijhen Ende möchte ih aber nidht [Olieken, 
jondern euch lieber noch von der wichtigiten Perfon diejes 
KRicchlatts, von der Meinen Mnondina, erzählen. Sie i{t jeßt 
21 Jahre alt und als JÜüungite im KXojthaus. ' 
Sie mard nicht, wie die beiden Tiere, ihrer Mutter, fon- 
dern die Mutter ward ihr genommen, und fhon als Viermona- 
tiges brachte der Vater fie zu uns, ein hHerziges Kind mit gqrv- 
Ben, braunen Hırgen, Unfer Heini, der ihr mit großer Wicdhtig- 
feit feinen Wagen überließ, meinte, es wäre doch hön, fie als 
Schweiterchen mit nach Deutihland zu nehHmen, und diefer 
Gedanke Hätte vielleicht auch bei eudh Beifall gefunden. Aber 
iD ein Kind der Sonne in unjeren faiten Norden zu verpflan= 
zen, wäre doch zu gewagt, und fo gab ih ihr lieber eine Pflege- 
mutter, die aber jo wenig Begriff von Kinderpflege Hatte, daß 
die Kleine bald erkrankte, und ich fie felbit wieder übernahm, 
6is ich fort mußte und fie Frau Timm überließ. Später haben 
lich dann die Schweitern, deren hefonderer Liebling fie it, ihrer 
angenommen und trog allerlei Aranfkheiten läuft fie nun doch 
mieder mit geröteten BäckhHen in Haus und Hof umher und
	        
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