Full text: (7. Jahrgang)

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funjtgeredt vollendet Hatte, weiß ih nicht; unbemerkt {Oli 
fie an mir vorüber, und obhne ihr noch ein ermahnendes Wort 
Jagen zu Fönnen, war fie im u verfhmwmunden. Die damals 
an andaltend Hohem Fieber fehr Iranfe Frau genaß 
unter meiner geringen Pflege und befindet ih noch 
heute unter den Lebenden. Dies zu erfahren, machte mir 
große Freude, und ih bin Gott dem HErrn für feine gnädige 
Erhörung herzlich dankbar. Möchte eS$ Gott gefallen, nicht 
nur den Leib, jondern auch die Seele diejer Frau, welche der 
Girtenkfaite angehört, für die Ewigkeit zu retten. 
Die Gemäuer eines anderen Haufes riefen in ihrem VBer- 
fall traurige Gedanken in meiner Erinnerung wach. In jenem 
Haufe wohnte |. 3. ein Lernender, namens Jogubandıt. Wäh- 
rend feine Frauen und Kinder getaufte Chriften waren und 
find, mußte er die Heilige Taufe, feiner beiden Frauen wegen, 
bis zu feinem Vebhensende enthehren. Mit jeder Frau Hatte er 
drei teils ermwachjene Kinder; dies war wohl der Hauptgrund, 
weämecgen Jogubondu fich nicht dazu ermannen Ffonnte, eine 
jeiner beiden Frauen zu entlaffjen. Der ältejte Sohn feiner 
eriten, jozufagen rechtmäßigen Frau, namens Gabriel, fol 
jeßt aufs Seminar in Kotapad gefchict werden; er i{t ein lie= 
ber Zunge und berechtigt zu den fOhönften Hoffnungen. Mit 
diejfent Doffnungsvollen Ausblick will id dann die Ruinen 
vom Dorfe Rengiagudda verlaffen. 
J, 
Vor mir Fießt tief unten ein Feiner Bach; ich f{teige als 
nulider Wanderer, meine Ziehharmonika und Blicher im Beu- 
tel unterm Arme tragend, die fteile Böfdhung hinab und er- 
jrene midh an dem Tieblidhen Plätidhern des {tilriejelnden 
Baches; einen Augenblick jtehe ih tik, verweile, und lajte die 
Herrliche mich umgebende Natur in ihrer ganzen Fülle und 
Schöne auf mein Gemiit einwirken, und dankbar gedenke id 
ihres Schöpfers, der uns fie zu genießen und zu gebrauchen 
gegeben hat. In dem Augenblick erjhien ınir auch deswegen 
mein Heidenpredigtamt ganz befjonders beneidenswert, weil 
e8 mir vergöünnt ijt, auf meinen Neifjen die Herrliche Gottes: 
natur in immer wedjelnden Bildern und Geitalten wahr- 
nehmen zu fünnen. 
Auch in dem Dorfe Amtigudda, dem ih mid näherte, fOhie- 
nen Veränderungen im großen Stile vor fi gegangen zu 
fein. Much hier Itieß ich auf Ruinen. Cine Wand war — wie 
ich erfubr — aus Mltersichmwmäche, oder durch Nachhilfe der nie=
	        
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