Full text: (7. Jahrgang)

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len gar nicht zu reden. Man fOnürt den Heinen Mädchen eins 
Tach die Luft ab oder jtopft ihnen eine Opiumpille in den Hals, 
man vergiftet die erite Muttermild vder überläßt die junge 
Erdenbürgerin einfach ihrem Schichfal. > 
zn Önfdaret erzählt man jid über den Uriprung der Un- 
fitte folgendes: Ein mächtiger König Hatte eine wunderfhüne 
Zocdhter, fein von Sitten. Der Hauspriejter wurde ausgefanödt, 
für fie einen ebenbürtigen und wohlhabenden Prinzen zu 
fudhen. Er fand feinen. Der König wurde tieftraurig. Da 
riet in der Priejter, feine Tochter lieber in den Zod zu geben, 
a8 fie unvermäbhlt zu Iaffen. Der König fonnte e8 jelb{t nidht 
über fi gewinnen, aber der Priejter übernahm alle Berant- 
wortung vor den ®öttern und nahın dem Königskind das 
Veben. 
SEin wohlgefinnter S®ouverneur in Bombay Hat fcbhon 
um 1790 allen {feinen Einfluß daran gefeßt, hier MWan- 
del zu fdhaffen. In St. Zhomas, der Kathedrale von Bombay, 
dem eriten evangelifdhen Sotteshaus, weldhes dort erbaut 
wurde, jteht fein Denkmal. Zwei Heine Rajputenmädchen hal- 
ten eine Rolle, auf welder die Worte iteben: „Rindermord ver- 
nidtet in Benares und Kathiaver.“ Aber was ift einer gegen 
fo viele? 1846 famen unter den Rajputen von Kuth auf acht 
Knaben nur ein Mädchen... 
Ymmer wieder ijit man gegen den Kindermord zu Felde 
Bezogen mit mehr oder weniger Erfolg. Die Sache Kiegt jeßt 
nad) Hundertjährigem Kampfe infofern anders, als man fie 
nit mehr Ööffentlidh und unbeanitandet wie früher, Jondern 
Deimlich abmadcht. 1890 fam ein SefcB zuftande, nad welchem 
Dörfer, in welden die Volkszählung ein auffallendes YNeber= 
Bewidht von Knaben feitftellt, unter ftrenge polizeilide Auf- 
licht geftellt werden. Man fand 3. B. in einem Dorf 80 Knaben 
Unter 12 Jahren neben nur 8 MäddHen, in einem andern neben 
100 ®naben 50 87 Mädchen. Handelt e3 fich in Indien um 
Verheimlihung einer Sache, dann Itehen die Leute, die fonit 
doch keine SGeheimnifje Fennen, zufjammen wie ein Mann, 
Sin eingeborener Polizeiinipektor wurde gefragt, erzählt 
ein SGemährsmann, vb er Kinder habe, worauf er antwortete: 
Sa, iO habe das Unglück, zwei Töchter zu haben, aber ih habe 
Mich beider entledigt, müge Gott mir nur einen Sohn geben!“ 
Un einem Bezirk wurde vor einigen Jahren Gerichtet, daß 
tinige Hundert Kinder von Wölfen zerriffen worden feien, fie 
alle waren Mädchen, Cine Rajputenfrau erzählte einer Mif- 
Konarin, daß in ihrer Kamilie acht Mädchen aus dem Wege ae
	        
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