Full text: (6. Jahrgang)

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6) Kein ESlender, 
Und nun noch cin anderes Bild, lieber Freund. Ih habe 
neben den Spiegel gefhaut in das Dunkel und Elend diejer Welt, 
nun fchaue id gerade hinein in den Spiegel und fhaue mein eiges 
nes Angeficht, mich felbjt. Wie fieht dies Bild doch Jo ganz anders 
aus. Freude {trahlt aus den Augen, Kraft und Leben fpricht aus 
Sen Gliedern, ein Wörtlein {teht über diefem Bilde gelehrieben, 
08 Iautet: „DO, wie Haft dur’S gut!” 
Geichrichen von einem, der die braunen Leute lich hat, 
Ein Xrantenlaager, 
(Bon Mijfionar Schulze in Salur.) 
Der erfte unferer Salurer Ehriften, der alte Majilas- 
mini, Liegt frank und wird wodl nicht wieder aufitehen. Der 
Körber war bereit$ [0 gefchwollen, daß der liebe YMlte fih kaum 
unrecht bewegen und Men holen konnte. FJebt iit die Gejchwulit 
ganz verfchwunden, aber an irdijche SGenefung it nicht mehr zu 
denfen. Wohl waren es fchwere Tage, und oft, zu oft unurcrte un 
fer Freund über die Leiden diefler Zeit. Er hat ja auch viel Durchs 
gemacht. 2ls Heide war er Augenzeuge, wie in Bachipenta im 
Königspalajt ein junges Müdchen kebendig den Söben geopfert 
wurde, dann wurde er Chrift mit feinem einzigen Sohne, dem 
Nathanael, dann jaß er am Sterbelager diefes Einzigen und hielt 
ibm die Abhendandacht. Ms ich den NMathanael damals befuchte 
eines Abends, aß der Alte auf dem Bettrand und fprad) gerade 
mit jeiner tiefen Stimme das GMaubensbefenntnis, gerade 
wie wir c& in den allgenreinen Mbendandachten zu fun pflegen. 
Dann bearub er feinen Sohn nit tränenden Mugen, umgeben von 
jeiner Schwiegertochter und vier fleinen, Lieblichen Enkelkfindern. 
Nun liegt er felbjt Darnieder und wartet fehnfütchtig auf feis 
nes Leibes Erlöjung. Es ijt nun etiva ein Monat her, c$ war 
Sonntag nachmittag, Id) Huckte neben feinem Lager und brachte 
idm aud) etwas von der göttlidhen Speife. Sein Herz ging auf, und 
jein Mund öffnete fich, aber nicht, mic ich gehofft, in {tillem Har- 
ren, [ondern in bitterem Murren und Hadern. Das böjfe Wört- 
den „warunW“ Fam jo oft in feinen Worten wieder. „Warum fo 
Lange, was Habe 10 verbrodhen?“ Ih mußte länger bei ihm blei- 
ben und recht ernft mit ihn reden. „Sich, der Heiland hat dich 
lieb und mird dig deshalb noch lange nicht fterben laffen, denn 
du bift noch nicht bereit,“ in diejem Gedanken bewegte fih unfer 
Gelprädg. Erit übergib dich deinem Herrn ganz, und laß ihn ganz
	        
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