Full text: (6. Jahrgang)

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meinen Zeil ab, jotveit ich das veritand — ergriff das Kind und lief 
damit, jo fOncll die Füße fie tragen fonnten, in ein Haus. Das 
Sanze war mir unverftändlich, die Leute wurden untuhig, das 
Intereife war verfhwunden; wir hoben die Verjamumlung auf und 
fuhren in unferm Ifnarrenden Schienwagen davon. 
Set aber fanı die Erflärung. Matthaeus gab fie. „Sehen 
Cie, Sie dürfen nie das Kind eines Hindus loben oder zeigen, 
daß cs Ihnen gefällt, fonft glauben die Leute, daß fie mit einem 
böfen Blid das Kind anjehen, und daß Sie aus Neid dem Kinde 
alles möglide Böfe antın wollen. Und wenn Sie jelbjt e& auch 
nicht tun, dann werden die neidijhen Götter oder Teufel e8 tun. 
Mber befonders dies, daß Sie um das Kind baten, zeigte’ein zu 
großes Intereffe, und nun zweifeln die arınen Eltern nicht daran, 
daß alles mögliche Unglück das Kind treffen wird, wenn e$ nicht 
gleich einem Keinigungsprozeß unterzogen wird!“ — Das kam mir 
feftiam vor; fo viel Bosheit Konnte ich mir jelbit nicht gut z3U=- 
trauen. „Iber mag werden fie denn nun mit dem Kinde vore 
nehmen?“ fragte id. — „Sie werden jebt Stroh vom Dach 
nehmen, den Knaben hineinwiekeln, ein Feuer anzünden und den 
auch an ihm emporwirbeln laffen,“ war die Antwort. G fat 
ntir ja etmas Leid, daß ich das Kind all diefen Unannehmiichkeiten 
ausgefeßt hatte, aber alcihmohl fonnte ich & nit unterlaifen, zu 
lächeln. Du armes Bolt! Hätte man doch mehr Liebe, foldhe Ein- 
falt immer micder zu tragen und mit ungelhmächtem Eifer für 
foldhe Leute zu arbeiten und zu beten! 
So weit die Erzählung des Mijfionars. Nicht wahr, ein 
Millionar in Indien muß ganz umlernen und zwar jogar in allen 
Kleinigkeiten. Was bei uns ein Zeichen der Liche und Wert- 
Idägßung it, das jagt den Heiden Entfeken und. Angit ein. 6 
muß mahrlidh nicht leicht fein, den Hindus ein Hindıt zu werden. 
Sleichzeitig lehrt uns diefe SGefchichte, mie die Heiden den 
Yieid der Götter fürdten. Sie haben fein Vertrauen zu -den un 
fichtbaren Mächten und fühlen {ich daher nicht bei ihnen geborgen, 
fondern iehen in einer beitändigen” Anaft. Sagt, #t’8 nicht 
unjere Bflicht, ihnen zur Gilfe zu kommen? 
Unjere Monatslofung lautet: Ihr aber feid das auserwählete Ges 
jcOlecht, das fönigiiche Prieftertum, das heilige Volk, das Volk des 
Cigentums, daß ihr verfündigen follt die Tugenden des, der euch 
berufen haft von der Finfternis zu feinem munderbaren Licht. 
1. Veiri 2, 9. 
Herausgegeben von Vaitor Brader in Breklum, unter Mitwirkung 
von Mijfions-Infpektor Rajtor Bahnfen dafelbit. 
= SNerlag der Mijfions-Gefelfichaft in Breflum. — 
Druck des „Sonniaa&blatt türs Haus“ in Brekkung,
	        
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