Full text: (5. Jahrgang)

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Mm traurigjten ift das Lo8 der Witmen. Schon Heine $inder werden 
berlobt; {tirbt der Mann — oft ift cS ein Knabe, zuweilen ein Greis — 
jo gilt fon die Braut. als Witwe ihr Leben lang. Aller Schmud wird ihr 
genommen, fie erhält {Ahlecdhte Kleidung; in manden Gegenden bekommt fie 
nur einmal am Zage etwas zu effen und muß dabei alle 14 age 2 mal 24 
Stunden faften; dann erhält fie nicht einmal einen Tropfen Waffer zu 
trinfen, und das will etwas bedeuten in einem Lande, wo das Thermometer 
auf 30 ®rad, 35 Grad, 40 Grad, ja 45 Grad €. und darüber fHeigt! Man 
glaubt nämlich, daß die Witwe am Tode ihres Mannes Schuld ift, weil fie 
ld in einer früheren Geburt befonders fchwver „berfündigt Bat; darum 
Hucht man ihr, darum Bäuft man alle möglichen Leiden auf fie. Einft wur- 
den die Witwen verbrannt; die englifche Regierung hat aber 1829 die Witwven- 
verbrennung (Satti) unterjagt. Das Lv8 der Witwen ijt aber fo unerträg- 
lid, daß mande Witwe e8 fo macht wie die Zrau des Camarazıu, des 
Sprachlehrers unferer Brüder Bothmann und Kohl in Salur. Sn derfelben 
Nacht, in der ihr Mann {tarb, etträntkte fie {ih in dem Brunnen ihres Haus 
je8. Das ift das Los der Frauen in Indien, und das find unfere Schweitern! 
Die erjten Mifjfionare: Bartholomaeus Ziegenbalg und Hein: 
ci Blütihau (geftorben als Baltor in Beidenfleth bei Wiliter), 
Schüler Aug. Herm. Frandes, landeten 1706 in dem dänijchen 
Sranfebar- (füdlidh von Madras) und legten den Grund zu Der 
jegigen Leipziger Zamulen-Miffion. 
Englijdhe Miffionare arbeiten feit 1793, wo Carey, der 
BahHnbrecher der neueren Miffion, in Indien landete. Die Oftindi- 
Je Stompanie, die damals durch Handel fajt die Aleinherrfdhaft 
in Indien erlangt hatte, verweigerte Carey den Aufenthalt in 
Kalkutta, weil fie von der Million Schaden für ihren Handel be- 
fürchtete. Die Direktoren erklärten, daß fie lieber eine Bande 
von Zeufeln als von Mijfionaren in ihren Ländern jehen wollten. 
Den Göhendienfjt begünftigten fie, indem fie jährlidh beftimmte 
Summen zur Unterhaltung der Tempel zahlten, bei den Göben- 
felten das Militär vor den Gögenbildern falutieren ließen ufw. 
Carey mußte daher nach dem dänijdhen Sirampur flüchten, wo er, 
}prachbegabt wie er mar, mit Freunden die heilige Schrift ganz oder 
teilweije in 40 Sprachen überfebte. , 
Nach dem Militäraufitand von 1857 — in Kanpur wurden 
aud) 200 Chrijten ermordet — irbernahm die enaliicdhe Krone das 
indijdhe Reich von der Oftindijdhen Kompanie, Der König von 
England ift zugleich KXaijer von Indien. Man muß e$ dankbar 
anerfennen, daß die engliiche Regierung viel für die Herftelung 
friedlicher Zuftände, das Schulwejen, den Verkehr (Bau von Eijen- 
bahnen, often) ufw. getan hat. 
Sndien ijft heutzutage das Gauptarbeitsfeld der 
ebangelifden Miffion,. wo einige 60 Mijfionsgefell- 
JOaften arbeiten — unter ihnen 6 deutfdhe mit 200 Miffionaren ;
	        
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