Full text: (4. Jahrgang)

m Da 
die feine Gebeine deckt, Hat fein 
Mündel Serfodjdhi, ein brauner 
Hindufürft, in englifder Sprache 
die berühmten Verle feben laffen: 
„SFeft warft du, weife, demütig, 
KedlichH, rein, unverftellt gütig, 
Vater der Waifen, der Witwen Stüßhe, 
Tröjter in jeglicher Trübfalshige; 
Denen in Finfternis Helfer zur Klarheit, 
Wandelnd und weijend die Wege der 
Wahrheit, 
Segen den Fürften, den Völkern und mir. 
Daß ich, mein Vater, nachwandele dir, 
Wünfchet und bittet dein Sexfodfcht 
1er.“ 
Das Denkmal in Madras 
itellt Schwarg auf dem Sterbe- 
(ager bar; weinend umftehen ihn 
einige braune Waifjenkinder, feine 
deutjchen Mitarbeiter und fein 
Mündel Serfodf{chi; der Sterbende 
richtet fi) auf, weift mit der 
Necdhten nach oben, um — wie 
bie englüjde Ynichrift erflärt — 
die Seinigen zum legen Mal zu 
ermahnen, gleich ihm Fräftiglich 
die Predigt des Wortes zu 
treiben. Weiter werden in der In: 
Jchrift die Verdienite des Mannes 
gepriejen, der 50 Jahre Lang 
nicht müde wurde, Gutes zu tun; 
der in feiner Selb{tlofigkeit {ein 
Sehalt, das er alz Prediger der 
engliiden Sarnijon erhielt, nicht 
für fi, fondern für die Milton 
verwendete. 
Das Denkmal von Schwarg 
befindet fidh an der Nordoftwand 
der Kirche; wir gehen fhnel an 
den andern Gedenftafeln vor: 
über, die zum Andenken an ner: 
jtorbene Offiziere und GSeiftliche 
an den MWänden und Säulen 
angebracht, die weiße Cintönigkeit 
einer reformierten Sirche ge- 
IOmacvoll zieren; der braune 
Küfter führt un8 vor das Denk: 
mal des Miffionars Gueridde an 
der Nordweftjeite der Mauer. 
Diefer, „ein Genoffe von Schwark“, 
ift als Lehrer dargeftellt, defjen 
Worten ein Hindu und mehrere 
Knaben andachtsvoll Laufchen. 
Die „Oftindijhe Kompagnie” hat 
beide Marmorplatten 1807 in 
London anfertigen und nach Madras 
IHaffen laffen. 
ön gehobener Stimmung 
treten wir hinaus, Vom Hohen 
SFeftungswalle aus jHauten meine 
Begleiter zum erften Mal das 
weite, weite Meer! Zwei freund: 
lie Halbeuropäcr, weldhe die 
Signalftange zu bedienen hatten, 
fießen uns durch das große Fern: 
rohr guden. Deutlich fahen wir 
einen großen Dampfer in den 
Hafen einlaufen; er Hatte die 
deutihe Flagge gehißt und trug 
den Namen „Drachenfels“. Welch 
ein herrlider Sonntagsgruß am 
Tage des Herrn! Er hat gewiß 
‚au Grüße von euch gebracht, 
ihr Lieben Kinder der Heimat, 
und foll jegt auf Ddiejem Wege 
euch Herzlide Segengrüße von 
mir und meinen braunen Jungens 
zurüdbringen. Wißt ihr, was 
Heimmweh ft? Sonft habe ich 
wenig Beit, daran zu Denken; 
in jener Stunde aber mußte ich 
mid eine Weile dem Gefühle 
hingeben: 
„SWS auch fhön im fremden Lande. 
Doch zur Heimat wird es nie.“
	        
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