Full text: (3. Jahrgang)

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Verkaufs der dünijchen Infeln 
St. Thomas, St. Croir und St. 
Yan find viele Augen nach Mittel- 
amerifa und insbefondere nad 
Weftindien gerichtet Daher will 
id euch erzählen, wie das Cyan: 
gelitum nad) Weftindien kam. 
CS war am Donnerstag, den 
31. Auguft 1732, da hielt vor 
den Toren der Jächfiidhen Stadt 
Bauen ein Wagen an. Drei 
Männer ftiegen aus; dem einen 
fah man feine vornehme Herkunft 
auf den erften Blik an, die beiden 
andern waren IHlidhte Handwerker 
in braunem Anzug. Unter freiem 
Himmel fnien ale drei nieder; 
dann erhebt der erfte feine Hände 
und Legt fie feinen Begleitern 
legnend aufs Haupt. Tief bewegt 
ichieden fie von einander. Der 
Wagen mit dem Grafen Binzen: 
dorf — da3 war nämlich der 
bornehme Herr — fFehrt zurüd. 
Die beiden andern, jeder mit 
einem Dukaten von dem Srafen 
beidhenft und mit feh3 Talern, 
die fie fi gemeinfam verdient, 
in ber Tafde, ziehen fröhlich 
weiter. Leonhard Dober und 
David NitfdHmann, {fo heißen 
die beiden glaubensmutigen Bilger. 
Wohin fteht ihr Sinn? Sie 
wollen über den Ozean, fie wollen 
zu den Heiden in Weftindien, um 
iYnen von dem Lamm zu predigen, 
in befjfen Wunden fie jelbit die 
Sewißheit ihres Heils und Frieden 
gefunden haben. 
Cine Reife über das 
Weltmeer gilt noch heutzutage 
mandjem für ein {o gemwagtes 
Unternehmen, daß er davor zurüc: 
)hrecdt. Aber wa3 ift eine Ozean: 
reiie heute gegen eine joldje Fahrt 
vor 170 Jahren! Von dem 
Sande, in das fie gehen wollten, 
fannten fie faum viel mehr al8 
den Namen; fie. kannten nicht 
die Bewohner, fie wußten nichts 
von dem Klima, die ganzen Ver: 
hältnifje des Landes waren ihnen 
unbekannt. Und dennoch gingen 
lie. Wahrlih, es gehörte ein 
YUorahamsglaube dazu, damals 
aus Vaterland und Freundichaft 
und ‚des Vaters Haufe zu gehen 
in die8 idnen völlig unbekannte 
Yand;, das der Herr ihnen zeigen 
wollte! 
Uber. das war e8 gerade, 
was unfere rüftig ausichreitenden 
Bilger ermutigte: Nicht fe felbft 
hatten fi das Land erwüählt, 
der Herr hatte es ihnen gezeigt. 
Damals Iag der Mijfionsgedanke 
noch nicht in der Luft. € war 
die Zeit, wo der Dichter des 
herrlichen Liedes: „Iejus nimmt 
die Sünder an“ alle Mijfions- 
gedanken fo weit wegwarf, daß 
er {agen fonnte: 
„Bor Zeiten hieß e8 wohl: 
Seht hin in alle Welt! 
Vest aber: Bleib allda, 
Wobin dihH Gott geftellt!“ 
Damals war erft von Kopen:- 
hagen aus in Verbindung mit 
Sale der erfte Verfuch einer 
Mijfion in Oftindien gemacht 
worden. Nicht Menidhen, Gott 
jelber Hatte diefe Zeugen für 
Weftindien berufen. Das kam 
aber {o.
	        
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