Full text: (2. Jahrgang)

70 — 
in unferer lieben Mutterfprache. 
Welche Mufik! E63: war unfere Liebe 
mütterliche Frau Miffionsfeniox 
Handmann, die hernach Sfter Sama- 
riterdienfte an un3 gethan. Sie 
fagte: „Kommen Sie endlich? Wir 
haben fchon XIange auf Sie ge: 
wartet.“ Ya, wie denn — hatte 
wirklich in Yndien jemand auf uns 
gewartet ? Die lieben Freunde hatten 
in der Zeitung von unferer Abreife 
gelefen und wußten ja, daß wir an 
irgend einem diefer Tage ankommen 
mußten. 
Mber nach dem erften freunds 
lichen Gruß gab e8 fofort Schelte 
— noch ehe wir den Schatten ihres 
Haufes erreichten. Nun, fie war 
Balfjam auf unfer Haupt, denn fie 
war mohlverdient. Wir Hatten 
natürlich in angeborener Höflichkeit 
den Hut gezogen, den KfMeinen 
ihmarzen Hut, und ftanden ent: 
blößten Hauptes in der grellen 
indifjhHen Sonne, morgens um zehn 
Ugr! Welche Unvzorfichtigkeit! Wir 
hätten ja auf der Stelle Kinder 
bes Todes fein Können! 
Nun wurde der Kutfher in 
gutem Zamul abgefertigt — natlır- 
lich vom Lieben Miffionar Hand- 
mann, der auch au3 dem Heiligtum 
feiner Studierftube zur Begrüßung 
Berbeigefommen. Das war gleich 
ein ganz ander Ding! Nun waren 
wir geborgen! 
Bald Iud uns die gütige Haus- 
frau zum Frühftüc., Ya, was 
war denn das? Das find Appams, 
fagte rau Senior, — e8 waren 
weiße, poröfe Reismehlfladen, die 
mit etwa8 Mangogelde zum Kaffee 
gegeffen murden. Wie weiß war 
das Brot und wie weih — .e8 
wird ja mit gegohrenem Balmwein 
gebadfen. Bitte, nehmen Sie Butter! 
a, mo ftand denn Butter? Das 
weiße Klecschen auf dem Heinen 
Teller, konnte das Butter fein? 
Doch! Und dort die Bananen! 
Herr Senior prie8 fie in allen 
Zönen als Inbegriff alles Feinen 
und Zarten und Guten, — Ananas, 
(die wir in Indien übrigen für 
6—9 Pfennige Kaufen Können), 
Stachelbeeren, Himbeeren, Mepfel, 
— alle8 fet in der Banane ver: 
einigt. Sr hatte recht, obfhon es 
einem zuerft ift, als äße man Seife, 
Den Hausherzn fahen: wir nur beim 
Eijen. Was giebt e8 nicht alles 
zu thun auf einer Station wie 
Madras und auf jeder Station, 
mo treu gearbeitet wird! 
Um erften Abend faßen wir 
zufammen im WohHnzimmer und 
dachten an dies und jenes und 
fprachen von diefem und jenem, 
nicht zum mwenig{ten von der Heimat 
— e8 waren {hon liebe Briefe da 
von der Schwefter in Leipzig — 
da ertönt plößlich Gefang mit 
Violinbegleitung. Er kam drüben 
aus der Koftfchule; ex kommt näher, 
immer näher, die breiten Stufen 
herauf. GHerein durch die Thür 
Auten 40—50 Rnaben und 
SJünglinge, in fauberen weißen 
Lendentüchern (Vöshti fagen fie in 
Madras dazu, bei: ung im lieben 
Zelugulande heißen fie Panshi) 
und weißen Jacken,“ mit fpiegel- 
plattem Vorderkopf, die ebenholz- 
ichwarzen Haare. in fauberen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.