Full text: (2. Jahrgang)

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Waijer, den der Diener jedoch 
nicht bemerkte. In feiner Cile 
prüfte Se. Majeftät am folgenden 
Morgen nicht den Inhalt der 
Slajche, ehe er trank. 
„Wa3 habe ih nur gemadt,“ 
tagte Bhoja nach wenigen Minuten 
zu fich tefbjt, denn er jpürte, daß 
im feinem Ynnern irgend etwas 
nicht in Ordnung fei, Der arme 
Sroich Hetterte in jeinem heftigen 
Bemühen zu entrinnen Höher und 
Höher und fagerte fih endlich in 
des Königs ‚Gehirn. 
Bhoja murde ernitlid) frank. 
Ale die größten und ‘ die be: 
rühmteiten Yerzte des Reiches 
eilten nach dem Balait, um den 
König zu bedienen, aber Keiner 
von ihnen war im ftande, die 
Urfacdhe der Krankheit feftzuftellen. 
Der König war metjtenS bewußt- 
(v3. Der Schmerz ftieg mit 
jeder Minute, aber fein Menich 
Ichien im ftande, ihn zu Helfen. 
Da er in feinem Delirium die 
Art der Krankheit nicht genau 
befchreiben Ionnte, wies er nur 
tet mit der Hand nach feinem 
Ropf al3 dem Sig des Schmerzes, 
Die gelehrten Yerzte kamen 
deshalb zu dem Schlujie, daß die 
Krankheit in einem heftigen Xopf- 
iÖmerz befiände. Wer alle ihre 
Medikamente fonnten die Ge: 
jundheit des KönigS nicht wieder- 
heritellen. 
AS offenbar niemand dem 
Rönig Bhoja Erleichterung zu 
berichaffen vermochte, hielten die 
Sötter im Himmel einen Kat 
und befahlen Dhanvantri, ihrem 
berühmten Arzt, fid nad Uiein 
zu begeben und dem Ponarchen 
zu jeiner Gejundheit zu verhelfen. 
DhYanvantri kam deshalb 
auf die Erde herab, und indem 
er fi al8 BrahHmane verkleidete, 
zrjhien er vor den Minijtern des 
Königs Bhoja. Er wurde fogleich 
in das Zimmer des Königs geführt, 
wo er eine große Schar Menjhen 
um das Bett des Königs ver- 
jJammelt Jah. Er verlangte als: 
Bald, ale folten das Zimmer 
verlaffen, da e3 ihm in Gegen: 
wart Jo vieler Menichen unmöglich 
Tei, den Monarchen zu behandeln. 
Sleichzeitig veriprad) er, den 
Ronig Bhoja ganz fidher zu Heilen, 
und ein Gemwiffes in der Cr 
‘ODeinung des neuen Doktors er- 
wedte unbedingtes Vertrauen. 
MS das Bimmer nun leer 
war, febte‘ fich Dhanvantri vor 
den Monarchen, der völlig bewußt: 
{03 dalag und nidht® vernahm 
von dem, was um ihn her vor 
üch ging. €3 befand {ih jedoch 
ine Dritte Berjon Hinter der 
Thür verborgen im Zimmer, 
nämlich Kalidafa, ein großer 
Sansfrit-Dichter, den die Neu- 
zierde Ddahin getrieben Hatte. 
Dhanvantri jegte fi ans Bett, 
trich eine Salbe auf daz Haupt 
des Monarchen und wartete einige 
Sefunden. Dann fhrob er Höchtt 
gewandt den Schädel des ati: 
enten ab und legte ihn auf die 
Diele, als ob er der obere Deckel 
einer Schachtel wäre. Und was 
jah er dann? Cin Frolh 1aß 
ganz rubig im Gehirn des Königs!
	        
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