Full text: (2. Jahrgang)

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tragen unfere Bergleute fämtlich 
einen Meinen DolchH an der Hüfte, 
Auch wiffen fie gut mit den Schieß- 
waffen umzugehen. Zwanzig bis 
dreißig Mann ftark, wohl bewaffnet, 
ziehen fie, menn wir unter ihnen 
meilen, öfter an uns vorüber und 
fehren dann erft abend3 zurück. 
Drei Salutjchüffe verkünden ihr 
Kommen, Sechs Mann tragen 
an großes WildfhHwein und 
legen e8 zu unfern Füßen nieder. 
Am nächften Tage wird e8 feierlich 
yerlegt und mundet uns allen prächtig. 
Ah meine Lieben, braunen Ferien: 
Bäfte bekommen natürlich ihren 
Anteil, 
Unfere Bergleute haben auch 
zin. Jagdfejt zu Chren ihrer 
Götter. Dann zieht jede Ortfchaft 
hinaus in den Wald und darf 
nicht eher heimkehren, bis fie irgend 
etma8 erlegt hat. Wehe ihnen, 
wenn fie mit leeren Händen zurück: 
lehren wollten! Schon ftehen die 
Frauen bereit, mit Schaufel, Befen 
und Kehricht alle mit Schimpf und 
Schande heimzuleuchten; fie mürden 
mit Hohngelächter und mit Befen- 
gieben von ihren Frauen zum 
Dorfe hHinausgetrieben werden. 
‚Eine große Freude war e8 für 
meine Yungens, auf einer großen 
Schaufel, deren Seile ange 
Bambusftangen vertreten, hoch in 
die Luft zu jhaukeln. Auf diefen 
Schaufeln figen fonft die Frauen 
und meinen, daß fihH die Götter 
darüber freuen und reichlich Getreide 
wachfen Laffen merden, Wehe 
ihnen aber, wenn fie {ih während 
des Regen oder des Donner8 auf 
zine folge Schaukel jegen würden, 
als8dann mürden fie, mie fie feft 
glauben, fofort von den Göttern 
in die Luft mit hHinaufgenommen 
werden, 
Ihre Toten verbrennen fie 
und errichten in ihren Totenhainen 
zum Andenken an diefelben fent- 
vechte Steinplatten. Diefe fiehenden 
Steinplatten bezeichnen ihre Toten: 
Hügel. Auch hier opfern fie und 
fchlachten jährlich eine Ziege, die 
fie aber dann felbft Iuftig verzehren. 
YUnfere armen Bergleute habe 
ih fehr lieb und möchte fo gern, 
daß fie alle felig mürden. Viel 
habe ich ihnen vom lieben Heiland 
2x3ählt, habe oft bei ihren Lehm: 
Hütten gefeffen und ihnen Bilder 
von ef gezeigt und die fhönen 
Sefchichten aus der Bibel dazu 
zrzählt. Und nun freut fih gewiß 
jeder mit mir, menn ich fagen darf, 
daß hundert meniger fünf unferer 
fieben Bergleute die alten Gögen 
meggeworfen und fonntäglih zu 
anferer Meinen Strohkirche Fommen. 
Als ih vor Kurzem wieder 18 
Leute taufte und fie fragte, ob fie 
den Teufeln . entfagen und ihre 
alten Feite aufgeben wollten, da 
antworteten faft alle: „Ya, wenn 
wir dies nicht wollten, weshalb 
wären wir denn hier, mir wollen 
alles aufgeben und an Jefum 
glauben und alle3 ihun, was er 
uns fagt.“ 
Wir Haben unZ nun fOnell 
eine Fleine Kirche aus Lehm: 
wänden mit Strohdach erbaut; 
aber fte ift bereitz zu Mein, und 
nun denken wir daran, eine große,
	        
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