Full text: (2. Jahrgang)

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Biegen auf Nimmerwiederfehen 
verfpeift. Die f{Hönen Gemfen und 
Hirfdhe, die wir hier oben haben, 
müffen viel unter der Feindfhaft 
diefer Raubtiere Teiden. Auch 
Mifen Fanı man hier fehen, große 
und Meine, Sidhhörnchen KNettern 
hoch empor und necden fih mit 
jungen YWeffchen. 
Sm Walde aber fchreien die 
Pfauen, Hühner und Hähne, mährend 
unzählige Mengen Meiner, bunter 
Vögel ihre LKieblichen Liedlein fingen 
(unfere Bergleute fagen allerdings: 
„die Bögel meinen“). Mote, 
blaue, grüne, gelbe und ganz weiße, 
ja in allen Farben kann man bier 
dieje Keinen Waldfänger fehen. 
Sie wecden uns jeden Morgen mit 
mehrftimmigent Gefang. Das 
Schönfte dabei aber ift, fie alle 
find unfer volles Eigentum; Affen, 
GHirfche, SGemfen, was da Freucht 
und fleugt, alles gehört unS, denn 
fie alle find ja Einwohner unfer 8 
Königreiches. 
Da3Z Befte von allem „droben 
im Oberland“ find aber doch 
unfere lieben Bergleute, Als 
ich da3z Land übernahm, maren fie 
ale no arme Geiden und 
hatten noch nie etwas von einem 
Heiland gehört; kein weißer Mann 
war je zu ihnen gefommen, um 
von ef zu erzählen. Sie fürchten 
fih vor dem Teufel und den böfen 
Beiftern und bringen. ihnen viele 
Opfer. Seht, dort ift unter 
jenem großen Baume ein Keiner 
freier lag, und herum ftehen noch 
mehr Bäume, und dunkles Gebüfch 
macht den Heinen Hain noch 
fhauriger. Hier beten fie die Teufel 
an. Der freie Plag wird mit 
Kuhdünger fchön geglättet, und 
dann merden weiße Striche darauf 
gezogen; dariiber wird eine ganz 
Feine Laube gebaut und darunter 
ein feiner Lehmgöße gefegt. Nun 
bringen die Leute eine Ziege, aber 
eine Ihmwarze muß e8 fein, 
fhlachten fie vor dem Göben, 
gießen das Blut darüber und ver: 
teilen dann daZ übrige Feifch zu 
ihrer Mahlzeit. Dann wird ge: 
tanzt und viel Branntwein dazu 
getrunken. So geht e8 die ganze 
Nacht hindurch. 
Früher fhlachteten die 
Leute au Menfhen und 
brachten fie als Opfer dar. Sin 
folcher armer Menfch murde lebend 
an einen Baum gebunden, fchön 
befränzt und dann fchnitt fich jeder 
ein Stüc Feifh von ihm ab, um 
e3 in feinen Acer zu vergraben. 
Diefer follte dann ganz befonder8 
viel Korn tragen. HIebt dürfen 
fie das nicht mehr Ihun, aber nun 
jhlachten fie dafür einen großen 
Büffel und vergraben feine Fleifch- 
ftücfe im ihre YMecker, Tiefer in 
den Bergen fjollen aber doch 
noch Menfchenopfer gebracht 
merden, weshalb fich unfere Berg» 
leute oft fehr davor fürchten, ein: 
gefangen und als Opfer dargebracht 
zu merden. 
So lebten unfere armen Berg: 
leute immer in großer Angft, 
Entweder find e8 die Bären und 
Leoparden, die fie anfallen, oder 
auch Menfchen, die iHnen das Leben 
nicht qönnen wollen. Deshalb
	        
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