Full text: (Neueste Folge, Band 14 = 1840, No 9-No 16)

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IV. Gynäkologie und Pädiatrik. 
IV. Gynaekolooif, und Paediatrik. 
137. Ein Fall von Phlegmasia alba dolens; 
beobachtet von Dr. Volz in Carlsruhe. Dass über dies Uebel 
die Meinungen noch getlieilt sind, ist nicht zu verwundern, 
da bei seinem seltenen Vorkommen selbst sehr beschäftigte 
Practiker in vielen Jahren kaum einige Fälle beobachteten, 
da ferner die Krankheit durch den gerade herrschenden Ge 
nius epidemicus verschiedenartig modificirt aultreten und da 
her nicht immer das gleiche ßild darstellen wird und da dies 
Uebel, einmal als Rarität aufgenommen, schnell zum literari 
schen Modeartikel geworden ist, so dass man sich bestrebte, 
überall derartige Fälle aufzufinden, wodurch es geschah, dass 
vielleicht aus allzugrossem Eifer Krankheitserscheinuugen als 
Phlegmasia alba dolens beschrieben wurden, die cs gar nicht 
waren, oder die doch mit andern Krankheitsprocessen mehr 
oder weniger- complicirt Waren, wodurch das reine Diid des 
Uebels verwischt wurde. Liest man die vonAlbers, Vel- 
pean, Casper, Struve, Davis, Gittermann, Stef 
fen, Wolff, T. Moore, Sankey, Sibergundi, Cle 
mens etc. aufgezählten Fälle, so überzeugt man sich wohl, 
dass diese Schriftsteller nicht alle den nämlichen Krankheits- 
process vor sich hatten, wenigstens dass er bald mehr, bald, 
weniger mit andern Krankheitsprocessen complicirt war, sonst 
könnten dieselben nicht so sehr in ihren Ansichten von ein 
ander abweichen, dass darin der eine eine Venen- der an- 
det eine Lymphgefässentzündung und der dritte ein Nerven 
leiden sieht, dass ein Theil der Schriftsteller das Uebel für 
eine einfache seröse Infiltration, ein Anderer, wie Leake 
und Francis für eine rheumatische Alfectiou hält und ein 
dritter gar, wie White, die Ursache der Krankheit in Zerreis- 
sung und mechanischer Ausdehnung der Lymphgefässe sucht. 
Doch es kann hier nicht die Absicht ,des Verls, seyn, eine 
Kritik über die Theorieen, welche die verschiedenen Schrift 
steller über dies Uebel aufstellten, zu liefern, eben so wenig, 
als aus dem einen von ihm beobachteten Falle eine allgemein- 
gültige Theorie zu abstrahiren, sondern er begnügt sich da 
mit, diesen, wie er glaubt, ohne vorgefasste Meinung beob 
achteten Fall einfach und naturgetreu zu erzählen und einige 
Reflexionen daran zu knüpfen, die'sich ungezwungen aus der 
Sache selbst ergeben, indem er es den mehr Erfahrenen über 
lässt, das Allgemeingültige aus den verschiedenen Thalsachen 
bervorzuheben und zu einer Theorie, oder einem nosologischen 
Gesetze zu gestalten. Der Fall ist folgender: eine 30jährige 
Frau von ziemlich grosser Statur, zartem Knochenbau und fei-
	        
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