Full text: Summarium des Neuesten und Wissenswürdigsten aus der gesammten Medicin zum Gebrauche praktischer Aerzte und Wundärzte (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

90 II. Materia medica und Toxikologie. 
trockenen Anwendung der Kälte, der bei allen zu Rheuma 
tismus und Gicht geneigten Constitutionen sehr in Erwägung 
zu ziehen ist. Die Anwendung erfolgt in getrockneten Thier 
blasen. Man beschneidet diese am Ori/icium urethrae bis 
zur hinreichend grossen Oeifnung, befeuchtet dann die innere 
Fläche am besten mit etwas eingego9senem Oel, drückt die 
ses Oel nach einigem Schütteln und Reiben der Blasenhäute 
wieder aus und schüttet nun geklopftes Eis bis zur Anfüllung 
des vierten Theils der Blase hinein. Die Ligatur macht man 
danu so hoch als möglich, nachdem die Blasenhäute über den 
Eisinhalt strangartig zusammengedrückt sind, damit sich, vom 
Luftinhalt daran nicht gehindert, die Blasen, kappenartig oder 
breit auseinander fallend, gut an den zu lömentirenden 
Theil anpassen können. Auch grosse Thierdärme kann man 
zu Eiskissen benutzen und sehr gut lagern auf denselben, 
wenn die Eisstücke erst etwas geschmolzen sind und durch 
Wassergehalt der Behälter nicht mehr drückend wirken , be 
leidigte und fracturirte Glieder und Gelenke. Von innerer 
Anwendung des Eises sah der Verf., wie Stokes, bei Be 
handlung' einer sehr heftigen, durch schnelle Unterdrückung 
einer biliösen Diarrhöe entstandenen Gastritis ausgezeichnete 
Heilwirkung, während jedes andere lögest ausgebrochen wur 
de. Bei zwei Fällen von Blutbrechen, denen entzündliche 
Congestion nach den Magenhäuten zu Grunde lag, zeigten 
sich die Eispillen als ein dem Kranken sehr angenehmes er 
quickendes styptisches Heilmittel. Mandelgros9e Stücke wer 
den zu diesem Behufe den Kranken in den Mund gegeben, 
wo sich die Ecken durch Schmelzen bald abrunden und die 
Eispille zum Verschlucken geschickt machen. Bei einem Tij- 
phus gastricus putridm mit zahlreichen , tintenschwarzen Pe 
techien, schwarzblutigem, stinkenden Bauchflusse, ganz trock- 
ner, gelähmter Zunge und so typhösem Zustande, dass bei 
jedem Besuche des Kranken Fliegenschwärme aus der Mund 
höhle verscheucht wurden, will der Verf. nicht etwa die, 
dessen ungeachtet erfolgte Genesung den oft gereichten Eis 
pillen zuschreiben, doch war es allerdings auffallend, wie 
erweckend und belebend jedes Mal ein in den Mund gescho 
benes Eisstück war. Pat. kaute dasselbe kräftig, wurde mun 
ter, der Blick erhielt eine gewisse Schärfe, die paralysirte 
borkige Zunge wurde wieder mobil und Pat. konnte nun 
deutlich und arliculirt sprechen. Sehr erquickend und Durst 
fund Brennen stillend bewiesen sich dem Verf. auch die Eis- 
ipillen bei einer bis tief in den Oesophagus verbreiteten Diph- 
teritis. Vielleicht würden sie auch bei Dijsphagia paralytica 
mit einigem Nutzen anzuwenden seyn. Auch in der Cholera
	        
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