Full text: (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 87 
Massen und war sehr niedergeschlagen. Es wurde Aderlass 
von 1 Pfund und 3stiindlich 2 Gran Calomel verordnet. Ob« 
gleich Pat. in reichlichen, allgemeinen Schweiss verfiel, Ver 
minderten sich die Schmerzen doch nicht; der Puls hatte 
Abends 130 Schläge, war etwas entwickelter, als am Mor 
gen und nicht ohne Spannung; der Schmerz um die Nabelge 
gend war so heftig , dass Pat. kaum den leisesten Druck ertrug. 
30 Blutegel in die Nabelgegend mit reichlicher Nachblutung 
verminderten die Schmerzen so sehr, dass Pat. von 10—2 
Uhr ruhig schlief; dann wurde sie wieder sehr unruhig und 
nach 4 Stunden waren die Leibschmerzen wieder so heftig 
wie früher. Der Puls hatte 125 Schläge, war klein, ge 
spannt , zusammengezogen, aber völlig regelmässig. Kopf 
und Extremitäten waren heiss, die Haut feucht, und das An 
sehen nicht mehr so verstört. Es wurde Aderlass von 1 Pfund 
und 2stündlich 2 Gran Calomel und ein warmes Bad verord 
net, worauf 6 Stunden anhaltender, starker Schweiss erfolgte, 
welcher aber keine Besserung bewirkte, denn der Unterleib 
wurde aufgetriebener und gespannter, auch erbrach sich Pat. 
w ieder einige Mal, klagte über sehr quälenden Durst und 
w ar niedergeschlagener als am Morgen. Es wurden 45 Blut 
egel auf den Unterleib und ein eröffnendes Klystier verord 
net, worauf sparsame Stuhlentleerung und bis 1 Uhr Nachts 
Ruhe folgte. Am 5. Der Puls war klein und hatte 132 
Schläge, der Schmerz im Unterleibe nahm jetzt noch die ganze 
Regio hijpogastrica von den Schaambeinen rechts und links 
aufwärts steigend ein und Pat. konnte nicht den leisesten 
Druck ertragen. Das Erbrechen erfolgte häufiger, die Angst 
war sehr gross und die Stirn mit kaltem Schweisse bedeckt. 
Ausser der angeführten Behandlung wurde täglich 3 Mal 
1 Drachme Utig. Hijclrarg. einer, in den Unterleib eingerie 
ben. Vormittags stellte sich die Menstruation sehr reichlich 
ein; doch verschlimmerte sich der Zustand bedeutend; der 
Puls hatte 160 Schläge, der Unterleib wurde aufgetriebener, 
ohne Fluctuation zu zeigen, alle 5 Minuten erfolgte Erbrechen 
grüner Massen, dabei war der Durst unerträglich und kein 
Mittel bewirkte Linderung. Nachdem die Unruhe fast bis 
zur Verzweiflung gestiegen war, erfolgte der Tod in der 
Nacht bei vollkommenem Bewusstsein. — Nur de* sehr ge 
spannte und meteorislisch aufgetriebene Unterleib wurde er 
öffnet. Die dünnen Därme waren sehr von Luft ausgedehnt, 
ihr Peritonealüberzug stark injicirt, bläulich-roth gefärbt und 
zwischen ihren Windungen iand sich gelbes, eiterartiges, 
ziemlich flüssiges Exsudat, auch hin und wieder auf den 
Wandungen grössere und kleinere häutige Stücke plastischer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.