Full text: (Neueste Folge, Band 13 = 1840, No 1-No 8)

I. Pathologie, Therapie und medicinische Klinik. 75 
und erweichendes Klystier. Am 10. sah er den Kranken 
wieder. Das Blut des ersten Aderlasses hatte sehr wenig 
Serum, sonst aber keine Entzündungshaut, das aber vom zwei 
ten Aderlässe ziemlich viel Serum und ziemlich bedeutende 
Crusta inflammatoria. Pat. fühlte sich sehr erleichtert; die 
Nacht wurde jedoch wieder schlaflos zugebracht; die Hitze 
hatte etwas abgenommen, der Puls war weniger hart, doch 
nicht beschleunigt; der Durst geringer; die Neigung zum Bre 
chen hatte aufgehört, so wie die Athraungsbeschwerden; der 
Harn war noch rotli, die rechte Seite weniger schmerzhaft, 
doch noch empfindlich beim Drucke, die Achselschmerzen 
verschwunden, jPat. konnte ein wenig auf der linken Seite 
liegen, auch war Oeffnung eingetreten und der gelbliche An 
strich der Haut schien vermindert. S. verschrieb nachstehende 
Salbe, womit er alle 2 Stunden Einreibungen in die Leberge 
gend machen Hess; Rec. Extr. Conii macul. 5j. dil. c. aeq. 
quant. Aqu. dest. admisc. Ung. merc. fort. 5j. Vorher 
aber liess er noch 12 Blutegel an die Lebergegend setzen. 
Innerliche Mittel erhielt Pat. nicht. Die Diät sollte karg seyn 
und Zuckerwasser getrunken werden. Am 11. fand S. den 
Kranken fast ganz gut. Er konnte sich wieder umwenden, 
der vermehrte Durst w’ar verschwunden, die Haut duftend, 
der Harn fast natürlich gefärbt, aber trübe, die Schmerzen 
in der Lebergegend hatten sich ganz verloren, doch schlief 
Pat. die letzte Nacht wieder nicht und der Puls blieb be 
schleunigt, der Kopf aber frei. An die Lebergegend wurden 
15 Schröpfköpfe gesetzt und mit den Quecksilbereinreibungen 
fortgefahren. Am Abende desselben Tages erhielt der Verf. 
die Nachricht, dass Pat. seit einigen Stunden plötzlich ver 
wirrt rede und sich wie ein Narr betrage. Zugleich hörte 
S., dass Pat., was man früher verschwiegen hatte, eiu star 
ker Weintrinker sei, und keinen Abend sonst, wenn er ge 
sund sei, nüchtern gewesen, auch bereits vor einem Jahre 
ein ähnliches Leiden gehabt, von dem er nur befreit worden 
■wäre, als der frühere Arzt es durch verschiedene Mittel er 
langt habe, dass Schlaf eingetreten sei. Auf diese Nachricht 
hin das Uebel für Delirium tremens nehmend, verschrieb S., 
da andere Geschäfte ihn verhinderten, den Kranken zu besu 
chen , nachstehendes Pulver: Rcc. Pulv. Opii pur. Calom. 
aa gr. jv. Liquir. coct. gr. x. m. f Pulv. D. S. Auf 1 Mal 
zu nehmen. Die Quecksilbereinreibungen blieben weg. Am 
12. früh besuchte S. den Kranken. Die Angehörigen erzähl 
ten, dass sie mit dem Kranken die Nacht viel auszustehen 
gehabt hätten und dass das Pulver anscheinend ihn nicht be 
ruhigt , sondern seinen Zustand verschlimmert habe. Es hatte
	        
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